Konjunkturausblick der OECDDeutsches Bruttoinlandsprodukt wird im kommenden Jahr um 0,5 Prozent fallen

Die Industriestaaten-Organisation OECD sagt Deutschland eine stärkere Rezession voraus als die Wirtschaftsweisen. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Konjunkturausblick. Die fünf Wirtschaftsweisen gehen in ihrem Jahresgutachten für die Bundesregierung von minus 0,2 Prozent aus. Im zu Ende gehenden Jahr dürfte es noch zu einem Wachstum von 1,7 Prozent reichen, das 2024 mit 1,5 Prozent annähernd wieder erreicht werden soll, erklärte die OECD.
"Die starke Volatilität der Energiepreise und die schwierige Energieversorgung verunsichern Unternehmen und Haushalte", sagte Nicola Brandt, die das OECD Berlin Centre leitet, der Nachrichtenagentur Reuters. "Hohe Inflation sorgt für einen Rückgang der Realeinkommen, die den Konsum beeinträchtigt." Aufgrund der ausgeprägten Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland und gestörter Lieferketten sei Deutschland mit seiner starken Ausrichtung auf Industrieexporte besonderen Risiken ausgesetzt.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht aber auch Hoffnungszeichen aus. Stabilisierend wirkten der hohe Investitionsbedarf im Zusammenhang mit der Verlagerung von Lieferketten und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch dürften sich die Exporte angesichts eines beträchtlichen Auftragsbestandes und nachlassender Engpässe in den Lieferketten erholen. Keine rasche Entspannung wird bei der Teuerung erwartet. "Die Inflation wird aufgrund der Weitergabe der Energie- und Erzeugerpreise an die Verbraucher, der Abwertung des Euro und des steigenden Lohndrucks hoch bleiben", hieß es dazu. Sie werde sich erst allmählich abschwächen.