Mehr als vier Fälle pro TagDiskriminierung von Sinti Und Roma nimmt in Deutschland zu

Die Informations- und Meldestelle Antiziganismus (MIA) hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben deutlich mehr Vorfälle registriert, die sich gegen Sinti und Roma richteten. 2024 wurden demnach bundesweit 1.678 antiziganistische Vorfälle gemeldet, heißt es im aktuellen MIA-Jahresbericht. Das sind im Schnitt mehr als vier Fälle pro Tag.
"Wir sprechen hier von einem Bruchteil der tatsächlichen Vorfälle. Es besteht weiterhin ein enormes Dunkelfeld», sagte MIA-Geschäftsführer Guillermo Ruiz bei der Vorstellung des Berichts. Im Vergleich zum Vorjahr mit 1.233 Vorfällen stieg die Zahl der registrierten Fälle um 36 Prozent. Die Zunahme habe nicht nur damit zu tun, dass die Meldestelle bekannter geworden sei, sondern auch mit einer zunehmend feindseligen, antiziganistischen Stimmung, sagte Ruiz.
Am häufigsten würden verbale Stereotypisierungen (856 Fälle) und Diskriminierungen (666 Fälle) registriert. Zudem gebe es Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Angriffe bis hin zu extremer Gewalt. Antiziganismus ist eine spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Sinti und Roma oder gegen Menschen richtet, die als solche wahrgenommen werden. Die Zahlen stammen aus der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie von den sechs regionalen Meldestellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein.
Knapp ein Viertel aller gemeldeten Vorfälle (369 Fälle) fand im Kontakt mit Behörden statt. Häufig seien Polizeibeamte involviert, sagte eine MIA-Mitarbeiterin. Das äußere sich in unverhältnismäßigen Maßnahmen bei Polizeikontrollen oder Hausdurchsuchungen, in der Strafverfolgung oder durch Beleidigungen. Wenn Betroffene Vorfälle anzeigen wollten, würden Polizisten dies häufig gar nicht oder nur widerwillig tun.
Viele Vorfälle gebe es auch im Bildungsbereich (313 Fälle) und im Wohnkontext (295 Fälle). Zudem seien Sinti und Roma im Internet, auf offener Straße, durch Politiker und im Job mit Hass konfrontiert. Laut Ruiz zeige er sich auch in antiziganistischen Gesängen im Fußballstadion.