Warnung aus BrüsselEU-Energiekommissar warnt vor wachsender Abhängigkeit Europas von US-Flüssiggas

EU-Energiekommissar Dan Jörgensen hat sich besorgt über eine wachsende Abhängigkeit Europas von Flüssiggas (LNG) aus den USA gezeigt.
"Wir suchen nach Alternativen", sagte Jörgensen am Mittwoch vor Journalisten in Brüssel und kündigte Verhandlungen mit Kanada, Katar und nordafrikanischen Staaten an. Noch im vergangenen Jahr hatte die EU der US-Regierung noch massive LNG-Einkäufe zugesagt.
Hintergrund ist der gesetzlich beschlossene Ausstieg der EU aus russischen Gaslieferungen bis spätestens November 2027. "Wir risikieren, die eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen", warnte Jörgensen. Lieferungen aus den USA machten 2024 rund 16,5 Prozent der europäischen Gasimporte und fast 45 Prozent der Flüssiggaslieferungen aus. Die Einfuhrmenge hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.
"Wir wollen keine Handelskonflikte", betonte Jörgensen. Der Streit mit US-Präsident Donald Trump um Grönland in den vergangenen Wochen sei aber "ein Weckruf" gewesen. Trump hatte einen Anschluss der zum Königreich Dänemark gehörenden Arktis-Insel an die USA gefordert, mehreren europäischen Staaten mit zusätzlichen Zöllen gedroht und erst in der vergangenen Woche eine gewaltsame Einnahme ausgeschlossen.
Eigentlich hatte die EU-Kommission der US-Regierung im vergangenen August eine Steigerung der LNG-Käufe versprochen. Die Zusage ist Teil einer Einigung im Zollstreit zwischen Brüssel und Washington im vergangenen Jahr. Die USA verpflichteten sich darin nach deutlich höheren Drohungen, den allgemeinen Zollsatz für Produkte aus der EU bei 15 Prozent festzusetzen, und haben die Zusage bisher eingehalten.
LNG-Importe könnten nach Einschätzung des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln an Bedeutung gewinnen, weil die Speicherstände niedrig sind. Um die Gasspeicher nach dem Winter wieder zu füllen, "wäre ab April eine kontinuierlich hohe Auslastung der Importterminals von mehr als 80 Prozent erforderlich", erklärte die Wissenschaftlerin Ann-Kathrin Klaas. Im vergangenen Jahr lag die Auslastung den Forschern zufolge bei 58 Prozent.