Ach weniger Wachstum erwartetEZB rechnet mit höherer Inflation durch Iran-Krieg

Die Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten angesichts der mit dem Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise eine deutlich höhere Inflation in diesem Jahr.
Die Verbraucherpreise in der Währungsunion dürften um durchschnittlich 3,0 Prozent zulegen, heißt es in den am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Berechnungen. Damit wurde die März-Prognose von 2,6 Prozent spürbar angehoben. Grund hierfür seien höhere Energiepreise, die sich "den Erwartungen nach in gewissem Maße auf die Teuerung bei Nahrungsmitteln, Waren und Dienstleistungen niederschlagen" würden, hieß es zur Begründung. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate mit 2,3 (bisher: 2,0) Prozent noch leicht über dem Zielwert der EZB von 2,0 Prozent liegen. Für 2028 werden nun 2,0 Prozent erwartet.
Die Ökonomen senkten zugleich ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Im laufenden Jahr soll es nur noch zu einem Plus von 0,8 Prozent reichen. Bislang war mit 0,9 Prozent gerechnet worden. Im kommenden Jahr soll dann ein Wachstum von 1,2 Prozent herauskommen, 2028 von 1,5 Prozent. "Dies entspricht für 2026 und 2027 einer Abwärtsrevision, in der sich die stärkeren Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen widerspiegeln."
Die EZB erhöhte wegen der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Inflation erstmals seit fast drei Jahren wieder die Zinsen. Der EZB-Rat hob den auch für Sparer wichtigen Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent an. "Vermutlich dürfte es mit der heutigen Zinserhöhung nicht getan sein", sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Auf ihrer Sitzung im September wird die EZB wohl nachlegen."