"Energiepreise und Hitzewelle"Handel verbucht überraschend Umsatzminus – Rückgang um 1,7 Prozent

Die deutschen Einzelhändler sind überraschend schwach in die zweite Jahreshälfte gestartet.
Ihr Umsatz sank im Juli um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflationsbereinigt (real) fiel der Rückgang mit 3,4 Prozent doppelt so kräftig aus. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem der reale Umsatz im Juni noch stagniert hatte.
"Der Umsatz zeigt eine überfällige Reaktion auf hohe Energiepreise und Hitzewelle", sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Die schlechte Konsumlaune scheine nun auch in den realen Daten anzukommen. Ein baldiger Aufwärtstrend sei nicht erkennbar. "Um Ausgaben weiter tätigen zu können, werden Verbraucher wohl Erspartes anzapfen", sagte Krüger. "Da mancher Arbeitsplatz angezählt ist, liegt der Konsum vorerst an der Leine."
Auffällig war erneut die Entwicklung an den Tankstellen: Nach dem Ende des im Mai und Juni geltenden Tankrabatts fielen die Umsätze real um 9,1 Prozent zum Vormonat. Die Einnahmen im Einzelhandel mit Lebensmitteln sanken um 0,8 Prozent, während der mit Nicht-Lebensmitteln um 4,8 Prozent schrumpfte. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete ein reales Umsatzminus von 5,6 Prozent.
Belastet wird die Kauflaune von der steigenden Inflation. Im August kletterte die Teuerungsrate auf 2,9 Prozent. Der Inflationsschub durch den Iran-Krieg lässt die Reallöhne in Deutschland so langsam wachsen wie seit über einem Jahr nicht mehr. Die Bruttomonatslöhne der Arbeitnehmer einschließlich Sonderzahlungen wuchsen im zweiten Quartal um 4,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Wird der Anstieg der Verbraucherpreise von 2,5 Prozent abgezogen, bleibt ein Reallohnzuwachs von rund 1,5 Prozent übrig. Experten rechnen mit einem weiteren Dämpfer, da die Inflationsrate im laufenden dritten Quartal etwas höher ausfallen dürfte.