Sorgen um ErnteIndien erwartet wegen El Niño schwächsten Monsun seit elf Jahren

Indien erwartet wegen des Wetterphänomens El Nino den schwächsten Monsun seit elf Jahren.
Dies schürt Sorgen, dass die Ernte schlecht ausfallen könnte. Der Monsun werde in diesem Jahr voraussichtlich 90 Prozent des langjährigen Durchschnitts erreichen, sagte der Sekretär des Ministeriums für Geowissenschaften, M. Ravichandran, am Freitag auf einer Pressekonferenz. Die Prognose wurde damit von zuvor 92 Prozent gesenkt.
Eine schwache Ernte dürfte Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise und das Wachstum der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt haben. Indien spürt bereits - wie viele andere Staaten auch - einen stärkeren Inflationsdruck infolge des Nahost-Krieges.
Ein schwacher Monsun und eine ungleiche Verteilung der Niederschläge erhöhen die Inflationsrisiken, so Gaura Sengupta, Chefvolkswirtin der IDFC First Bank. "Ein unzureichender Monsun, insbesondere in den entscheidenden Monaten Juli und August, kann den Druck erhöhen und die Inflation bei einem Anstieg der Lebensmittelpreise auf durchschnittlich 5,5 Prozent anheben." Im April lag die indische Einzelhandelsinflation noch bei 3,48 Prozent.
Der erwartete Monsun wäre der schwächste seit 2015, als El Nino die Niederschläge auf 87 Prozent des Durchschnitts drückte. Er ist für die indische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung, da er etwa 70 Prozent der jährlichen Niederschläge liefert. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist nicht bewässert - und rund die Hälfte der 1,4 Milliarden Einwohner des asiatischen Landes lebt von der Landwirtschaft. In den meisten El-Nino-Jahren gab es in Indien unterdurchschnittliche Niederschläge, die teilweise zu schweren Dürren und Exportbeschränkungen für Getreide führten.