Außenminister will nach Russland reisenKenia wirft Moskau Missbrauch eigener Staatsbürger als "Kanonenfutter" vor

Kenias Vize-Außenminister hat Moskau vorgeworfen, kenianische Staatsbürger nach Russland zu locken und als "Kanonenfutter" an die ukrainische Front zu schicken.
Kenias Vize-Außenminister hat Moskau vorgeworfen, kenianische Staatsbürger nach Russland zu locken und als "Kanonenfutter" an die ukrainische Front zu schicken. "Diese Menschen werden als Kanonenfutter an der Front missbraucht", sagte der kenianische Vize-Außenminister Korir Sing'Oei der Nachrichtenagentur AFP. Außenminister Musalia Mudavadi kündigte am Dienstag an, im nächsten Monat nach Moskau zu reisen, um "diesem Vorgehen Einhalt zu gebieten".
Er werde sich auch für die Freilassung von in der Ukraine inhaftierten Kenianern einsetzen und den Zustand der im Krankenhaus behandelten Staatsbürger überprüfen, sagte Mudavadi. Dem Minister zufolge wurden in den vergangenen zwei Monaten mehr als 30 Kenianer aus Russland evakuiert. Skrupellose Anwerbe-Agenturen in dem ostafrikanischen Land wurden demnach geschlossen. In den vergangenen Wochen hatten sich Berichte in Kenia gehäuft, wonach kenianische Staatsbürger "unter falschen Versprechungen" nach Russland gelockt wurden, darunter mit scheinbar lukrativen Arbeitsverträgen. Eine in dieser Woche veröffentlichte Recherche der Nachrichtenagentur AFP deckte im Zuge dessen ein weitverzweigtes Täuschungsnetz auf.
Dabei kam unter anderem ans Licht, dass vier Männer ohne jeglichen militärischen Hintergrund gezwungen wurden, Verträge mit der russischen Armee zu unterzeichnen - und umgehend an die Front in der Ukraine geschickt wurden. Drei der vier Männer kehrten verletzt zurück. Zuvor hatten alle vier Verträge in russischer Sprache erhalten. Einer von ging davon aus, als Verkäufer zu arbeiten, zwei sollten als Wachleute arbeiten und der vierte als Leistungssportler. Kenias Regierung hatte im Dezember die Zahl der auf russischer Seite im Ukraine-Krieg kämpfenden Kenianer mit etwa 200 angegeben. Nach Angaben der vier Männer aus der AFP-Recherche liegt die Zahl jedoch weitaus höher. "Es scheint ein Muster zu geben, Menschen anzulocken und sie dann sterben zu lassen", sagte Vize-Außenminister Sing'Oei. Er fügte hinzu: "Kein Kenianer würde sich freiwillig auf so etwas einlassen."
Kenia ist nicht das einzige Land, in dem offenbar Menschen für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine rekrutiert wurden. Auch Südafrikas Regierung hatte im November erklärt, "Notrufe" von Männern erhalten zu haben, die in der heftig umkämpften ostukrainischen Region Donbass gestrandet seien und drauf drängten, nach Hause geholt zu werden. Die südafrikanische Präsidentschaft erklärte, die Männer im Alter zwischen 20 und 39 Jahren seien "unter dem Vorwand lukrativer Arbeitsverträge" dazu "verleitet" worden, sich Söldnertruppen anzuschließen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha teilte im November mit, dass mindestens 1436 Bürger aus 36 afrikanischen Ländern in den Reihen der russischen Truppen festgestellt worden seien.
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa ordnete eine Untersuchung zu der mutmaßlichen Rekrutierung von Südafrikanern an, nachdem örtliche Medien berichtet hatten, dass Südafrikaner von der MK-Partei seines als Moskau-freundlich geltenden Amtsvorgängers Jacob Zuma zu einer Sicherheitsausbildung nach Russland geschickt worden seien. In Südafrika laufen nun Ermittlungen gegen eine Tochter Zumas in dem Fall. Ramaphosa habe mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin über das Thema gesprochen, erklärte Ramaphosas Büro am Dienstag mit. Die beiden Staatschefs hätten ihre Unterstützung für die Rückkehr der Südafrikaner versichert.