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Kritik an ArbeitsbedingungenSaisonkräfte in deutscher Landwirtschaft leiden unter langen Arbeitszeiten und Lohnabzügen

27.03.2026, 12:13 Uhr
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(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Überlange Arbeitszeiten, überteuerte Unterkünfte und illegale Lohnabzüge: Das kennzeichnet nach Darstellung eines Bündnisses mehrerer gewerkschaftsnaher Beratungsstellen, der IG BAU und kirchlicher Organisationen in der Landwirtschaft in Deutschland den Alltag vieler Saisonkräfte.

Trotz gesetzlichen Mindestlohns seien sie weiterhin oft von Ausbeutung betroffen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht der Initiative Faire Landarbeit. Demnach sind Arbeitstage von bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden keine Seltenheit.

Obwohl der Mindestlohn formal gezahlt werde, komme bei den Arbeitern durch rechtswidrige Abzüge für Miete oder Arbeitsgeräte oft nur ein Bruchteil an. Zudem prangert der Bericht menschenunwürdige und überteuerte Unterkünfte an. So sei in Hessen für einen 15 Quadratmeter großen Metallcontainer eine Monatsmiete von über 2000 Euro verlangt worden. Gleichzeitig sei die Zahl der Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls auf einen Tiefstand gefallen.

Zudem kritisieren die Gewerkschaften die seit Jahresbeginn geltende Ausweitung der sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung von 70 auf 90 Tage. Dies führe zu weniger Sozialschutz für die Beschäftigten und Mindereinnahmen von rund 150 Millionen Euro jährlich für die Sozialsysteme, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Im Jahr 2023 arbeiteten den Angaben zufolge etwa 243.000 Saisonkräfte aus dem Ausland auf deutschen Feldern, die meisten von ihnen aus Rumänien, Polen und Bulgarien. Neuere Statistiken lägen nicht vor.

Quelle: ntv.de, rts

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