"Positives Signal"Lieferengpässe in Deutschland verringern sich deutlich

Die Lieferengpässe in der deutschen Industrie haben sich im August deutlich verringert. 62 Prozent der Unternehmen klagten über Material- und Lieferengpässe und damit so wenige wie seit gut einem Jahr nicht mehr, wie Ifo-Experte Klaus Wohlrabe mitteilte.
Im Juli waren es noch mehr als 73 Prozent. "Das ist zwar noch keine Entspannung, aber ein positives Signal", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen. Die Knappheiten - etwa bei wichtigen Bauteilen wie Halbleitern - haben die Produktion in den vergangenen Monaten gedämpft und damit die Konjunktur belastet.
Keine Entspannung ist dagegen bei der Inflation in Sicht. "Immer noch knapp jedes zweite Unternehmen will in den kommenden drei Monaten die Preise erhöhen", sagte Wohlrabe. "Preiserhöhungen bleiben damit auf der Agenda." Die Verbraucherpreise sind zuletzt um 7,5 Prozent gestiegen. Für den Herbst werden sogar Inflationsraten von um die neun Prozent erwartet.
Das lässt den Handel bereits um das Geschäft bangen. "Im Handel ist die Stimmung richtig schlecht", sagte Wohlrabe. "Die hohe Inflation belastet." Ähnlich sieht es im Gastgewerbe aus, das sich uin diesem Sommer über gut gefüllte Restaurants und Hotels freuen kann. "Aber auch hier haben sich die Aussichten deutlich eingetrübt", sagte der Experte. "Das Gastgewerbe befürchtet, dass sich die Gäste wegen der hohen Inflation künftig zurückhalten werden."
Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im August erneut leicht eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 88,5 Zähler von 88,7 Punkten im Vormonat und damit das dritte Mal in Folge, wie das Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. "Eine Rezession ist nicht vom Tisch", sagte Wohlrabe. "Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um etwa ein halbes Prozent schrumpfen wird." Im Frühjahr hatte es noch zu einem knappen Plus von 0,1 Prozent gereicht, zu Jahresbeginn von 0,8 Prozent.