Ifo-StudieNahost-Konflikt trifft ärmere Haushalte besonders stark

Die anziehenden Preise infolge des Nahost-Konflikts belasten einkommensschwache Haushalte in Deutschland deutlich stärker als wohlhabende.
Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie des Münchner Ifo-Instituts. "Wir sehen, dass ärmere Haushalte einem Preisschock, der Tausende Kilometer entfernt seinen Ursprung hat, schlechter ausweichen können und größere Kaufkraftverluste erleiden", sagte Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault.
Insgesamt steigen die Konsumausgaben der deutschen Haushalte durch die Krise im Nahen Osten der Analyse zufolge um rund 16,8 Milliarden Euro. Haushalte im sogenannten untersten Einkommensdezil verlieren so im Schnitt 2,87 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, während die einkommensstärksten Haushalte nur 0,65 Prozent einbüßen. Über alle Haushalte hinweg beträgt der durchschnittliche Verlust 1,15 Prozent. "Gerade weil es für diesen Schock keinen europäischen Preisdeckel gibt wie in der Energiekrise 2022, landet die Last fast ungebremst bei den Haushalten – und dort besonders bei denen mit niedrigen Einkommen", erklärte Ifo-Fachmann Andreas Peichl.
Stark betroffen sind demnach auch ältere Menschen: Rentnerpaare verlieren durch den Preisschock 1,53 Prozent, alleinlebende Senioren 1,45 Prozent ihres Einkommens. Grund dafür ist, dass ihnen kein Lohneinkommen als Puffer zur Verfügung steht und sie einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Budgets für Heiz- und Energiekosten aufwenden müssen.
In der Analyse vergleichen die Ifo-Experten Konjunkturprognosen vor und nach Kriegsbeginn und übersetzen die Differenz in Kaufkraftverluste für einzelne Haushaltstypen. "Die Schätzungen sind als Obergrenze zu verstehen, da Haushalte ihr Konsumverhalten bei starken Preiserhöhungen in der Regel anpassen", hieß es.