Völkermord in RuandaPräsidentenwitwe Habyarimana soll doch vor Gericht

Die 83 Jahre alte Witwe des früheren ruandischen Staatschefs Juvenal Habyarimana muss sich voraussichtlich doch noch wegen Beihilfe zum Völkermord vor Gericht verantworten.
Ein Berufungsgericht in Paris hob die 2025 getroffene Entscheidung der Untersuchungsrichter, das Verfahren gegen Agathe Habyarimana einzustellen, am Dienstag wieder auf. Die französische Justiz ermittelt seit 2007 gegen die Witwe von Juvenal Habyarimana. Sie steht unter dem Verdacht, bei dem Völkermord in Ruanda 1994 eine führende Rolle eingenommen zu haben. Habyarimana bestreitet dies.
Der Abschuss von Juvenal Habyarimanas Flugzeug und sein Tod waren der Auftakt für eine Spirale der Gewalt gewesen, die in dem ostafrikanischen Land zu einem Völkermord führte. Bei den Massakern wurden mindestens 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit und moderate Angehörige der Hutu-Mehrheit getötet.
Agathe Habyarimana war nach dem Tod ihres Mannes von der französischen Armee nach Frankreich ausgeflogen worden. Die französischen Behörden lehnten sowohl ihren Asylantrag als auch den Antrag der ruandischen Justiz auf Auslieferung in ihre Heimat ab. Sie lebte zwischenzeitlich in mehreren afrikanischen Ländern und seit Ende der 1990er Jahre ohne gültige Papiere in einem Pariser Vorort.
Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte vergeblich die Aufnahme eines Verfahrens gegen sie gefordert. Im August 2025 hatten die Untersuchungsrichter jedoch erklärt, dass es keine ausreichenden Hinweise gebe, dass Habyarimana Beihilfe zum Völkermord geleistet haben könne. Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Rechtsmittel ein - und setzte sich damit nun durch.