Iran-KriegSchiffsverkehr in Straße von Hormus nach neuer Eskalation fast zum Erliegen gekommen

Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus ist am Donnerstag nach der jüngsten militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran nahezu vollständig zum Stillstand gekommen.
Lediglich zwei Tanker passierten in den frühen Morgenstunden Schiffsdaten und Branchenkreisen zufolge die Meerenge. Dabei handelte es sich um den unter US-Sanktionen stehenden iranischen Rohöl-Supertanker "Berg 1" sowie den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Chemikalientanker "Well Sail".
"Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist im Wesentlichen zum Erliegen gekommen, was im Moment mehr über die Risikowahrnehmung aussagt als jede Erklärung aus Washington oder Teheran", erklärte Jorge Leon, Leiter der geopolitischen Analyse beim Beratungsunternehmen Rystad Energy. Iranische Streitkräfte hatten am Donnerstag US-Militärstützpunkte in benachbarten Golfstaaten attackiert. Dies war eine Reaktion auf US-Angriffe auf iranische Ziele am Mittwoch.
Die neue Eskalation gefährdet den vor drei Wochen vereinbarten Waffenstillstand in dem seit Ende Februar andauernden Konflikt. Etwa ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen wurde vor dem Ausbruch des offenen Konflikts durch die Straße von Hormus transportiert. In den vergangenen zwei Wochen war der Verkehr zwar wieder auf durchschnittlich 40 Schiffe pro Tag gestiegen, lag damit jedoch immer noch weit unter dem Vorkriegsniveau von täglich 125 bis 140 Schiffen. Um nicht geortet zu werden, schalten zudem immer mehr Schiffe ihre Transponder zur Positionsbestimmung (AIS) aus.
Einige Kriegsversicherer raten den Reedereien angesichts der Risiken zu einer vorübergehenden Aussetzung der Fahrten durch die Meerenge, während andere ihre Policen überprüfen. "Die Aussichten auf eine dauerhafte Wiedereröffnung von Hormus erscheinen nach der jüngsten Eskalation fragiler", hieß es in einem Bericht des Schiffsmaklers Clarksons. Ein Beleg für die Gefahr ist der katarische Flüssiggastanker "Al Rekayyat", der nach einem Beschuss am Dienstagabend weiterhin manövrierunfähig vor der omanischen Küste liegt. Ein Brand im Maschinenraum konnte gelöscht werden, die Ladung gilt als sicher.
"Wie die jüngsten Vorfälle zeigen, drohen dem Markt nun potenziell schwere Verluste bei Schiffen von erheblichem Wert", sagte ein Insider aus Branchenkreisen der Nachrichtenagentur Reuters. Nach dem zuletzt deutlichen Preisanstieg gaben die Notierungen für die Rohölsorten Brent und WTI am Donnerstag dennoch leicht nach. Beide Sorten verbilligten sich um ein halbes Prozent auf 77,53 beziehungsweise 73,15 Dollar je Barrel. Der wiederaufgeflammte militärische Konflikt hatte die Preise seit Dienstag um rund acht Prozent nach oben getrieben.