Aufsichtsratssitzung steht bevorSparkurs bei VW: IG-Metall-Chefin wirft Blume massive Fehler im Umgang mit Belegschaft vor

Wenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung über den Sparkurs bei Volkswagen hat IG-Metall-Chefin Christiane Benner Konzernchef Oliver Blume massive Fehler im Umgang mit der Belegschaft vorgeworfen.
Blume stelle sich mit der Ankündigung von Werkschließungen gegen Betriebsvereinbarungen und die historische Verantwortung des Konzerns, sagte Benner der "Augsburger Allgemeinen". Die Gewerkschaftschefin kündigte entschiedenen Widerstand bei der für Freitag geplanten Aufsichtsratssitzung an.
"Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf acht bis zehn Prozent steigen", erklärte Benner. Sie verwies hierbei auf eine Vereinbarung von 2024, "die der Vorstand unterschrieben hat und die er zu erfüllen hat". Die Beschäftigten hätten "für Perspektiven auch auf Geld verzichtet".
Damals war bereits die Rede von möglichen Werksschließungen gewesen. Die traditionell starken Arbeitnehmervertreter im VW-Konzern sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner rangen der Konzernspitze damals als Kompromiss ein Sparprogramm ab, das einen sozialverträglichen Abbau zehntausender Stellen bis 2030 vorsah.
Benner appellierte in diesem Zusammenhang auch an die gesellschaftliche Verantwortung des Konzerns. Wirtschaftlichkeit und Soziales müssten "in einem ausgewogenen Verhältnis stehen", erklärte die IG-Metall-Chefin. So sei die Region Ostfriesland etwa wirtschaftlich stark vom VW-Werk in Emden abhängig. "Da hängen etwa 30.000 Arbeitsplätze dran." Auch Zwickau dürfe nicht geschlossen werden, mahnte sie. "Jeder vierte Arbeitsplatz in Ostdeutschland hängt von der Automobilindustrie ab." VW müsse beide Werke mit neuen Modellen auslasten und neue Geschäftsmodelle für die Standorte finden.
Benner warf Blume gegenüber Beschäftigten und Öffentlichkeit eine verfehlte Kommunikationspolitik vor. "Die war bislang schlecht, denn es wurden einfach weitere Abbauzahlen und Werkschließungen in den Raum gestellt". Dabei sei schon 2024 vereinbart worden, "dass 50.000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen sozialverträglich abgebaut werden". Blume habe stattdessen für Verwirrung gesorgt, weil viele glaubten, VW wolle noch einmal 100.000 Jobs streichen.
Volkswagen steckt wie auch die anderen deutschen Autobauer in der Krise. Konzernchef Oliver Blume hat deshalb weitere Sparbemühungen angekündigt und weitere 50.000 Stellenstreichungen in den Raum gestellt, die Hälfte davon in Deutschland. Zudem stehen die VW-Werke Emden, Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm ab 2030 auf der Kippe. Auch der Standort in Hannover ist gefährdet.