Wirtschaft
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Montag, 15. Januar 2018

Air Berlin versteigert Inventar: 180 Euro für ein paar Schokoherzen

Von Hannes Vogel

Die größten Teile von Air Berlin wurden längst meistbietend verkauft. Nun kommen die Fans zum Zug. Flugzeug-Freaks und Nostalgiker bieten bei der Auktion Mondpreise für die Restposten der Pleite-Airline.

Ein Schnäppchen ist dieser Kulturbeutel wahrlich nicht. Klar, das Logo von Wolfgang Joops Modemarke "Wunderkind" prangt zwar auf der kleinen schwarzen Ledertasche. Und das Beauty-Set enthält neben einer Schlafmaske auch eine Einmal-Zahnbürste, Bodylotion, Ohrstöpsel und Reise-Söckchen. Ob es deswegen wirklich rund 55 Euro wert ist (inklusive Gebühren und Mehrwertsteuer), steht aber auf einem anderen Blatt.

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Doch um den wahren Wert geht es vielen Teilnehmern bei dieser Versteigerung des Hamburger Auktionshauses Wilhelm Dechow nicht. Seit heute Mittag kommt dort ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte unter den Hammer. Der Insolvenzverwalter von Air Berlin versteigert die letzten Restposten der Airline. Viele Bieter dürften nicht nur auf Schnäppchenjagd sein, sondern aus Nostalgie mitmachen. Sie wollen sich ein Stück des Air-Berlin-Gefühls kaufen.

Als der letzte rot-weiße Jet vor zweieinhalb Monaten auf seinem Abschiedsflug aus München auf dem Flughafen Berlin-Tegel landete, vergossen Passagiere, Flugbegleiter und Schaulustige auf der Aussichtsplattform manche Träne. Auf der Resterampe der einst zweitgrößten deutschen Airline verleihen die Fans ihrer Trauer nun mit dem Portemonnaie Ausdruck. Mehrere zehntausend haben sich nach Angaben des Auktionshauses für die Versteigerung registriert. "Das haben wir so auch noch nie erlebt", sagt der zuständige Mitarbeiter.

Werbegeschenke für hunderte Euro

Schon fünf Minuten nach Beginn der Auktion kracht die Webseite zusammen. Was für die Pleite-Airline schon seit Sommer gilt, wiederholt sich nun bei ihrer Versteigerung: Air Berlin ist down. Doch die Panne währt nur kurz. Schon nach wenigen Minuten startet die Seite wieder durch. Inzwischen scheint alles reibungslos zu laufen.

Zwei Wochen dauert die Auktion noch. Der große Andrang treibt schon jetzt die Preise. Air Berlins Schokoherzen bekamen die Passagiere beim Aussteigen aus dem Flugzeug früher umsonst. Beim Checkout im Auktionshaus kostet das teuerste Los mit 100 der berühmten Werbegeschenke nun 130 Euro. Dann kommen noch 15 Prozent Auktionsgebühr und 19 Prozent Mehrwertsteuer dazu, macht insgesamt rund 180 Euro. Haltbar sind sie bis Juli, wer sie kauft, muss also ordentlich reinhauen.

Soll es also lieber eine Rettungs-Übungspuppe für 110 Euro sein? Ein Air-Berlin-Regenschirm für 70 Euro? Ein Kaffeebecher mit Air-Berlin-Logo, Startgebot ein Euro - für 55 Euro? Jutebeutel der knallroten Airline sind auch noch reichlich zu haben, Aufschrift "Ich bin airberliner". Rund 116 Euro kosten 250 Stück. Wahrscheinlich will eine Berliner Hipster-WG zuschlagen. Oder die Gewerkschaft Verdi.

Darf es noch ein Trolley mehr sein?

Selbst die Servierwagen finden reißenden Absatz. Sie machen mehr als ein Drittel aller angebotenen Air-Berlin-Erinnerungsstücke aus. Trotzdem hat auf so ziemlich jeden Trolley jemand schon geboten. Der teuerste kostet nun bereits 1163 Euro. Für den gleichen Preis sind in einem anderen Los aber auch fünf Stück zu haben.

Preise und Mengen gehorchen bei der Auktion nur wenig der Logik. Viele Leute bieten offenbar mehr mit Herz als mit Verstand: Der teuerste Doppelsitz steht mit rund 1100 Euro im Kurs. Für das gleiche Geld gibt es aber auch den günstigsten Zweisitzer aus der Business-Class. Die teuerste Dreier-Sitzbank kostet dagegen rund 960 Euro.

Ein paar Schnäppchen sind dann aber doch dabei. Wer schon immer mal eine echte Schwimmweste aufblasen oder damit beim Fasching auflaufen wollte, kann sich diesen Wunsch aktuell für rund 34 Euro erfüllen. Auch das Wandbild mit zwei Schweinen und dem Logospruch "Urlaub ohne Air Berlin ist wie Sau ohne gut" wäre sicher in jeder Wohnung ein Hingucker, zumal es momentan nur 41 Euro kostet. Und wer will, kann sich für knapp 22 Euro mit Wundertüten für den nächsten Kindergeburtstag ausrüsten.

Das Geld aus all den Auktionen soll die Insolvenzmasse aufbessern und den Schuldnern von Air Berlin zugutekommen. Das ist auch dringend nötig. Tausende Kunden warten noch immer auf Geld für geplatzte Flüge. Und auch beim Steuerzahler steht Air Berlin tief in der Kreide: Um Arbeitsplätze zu retten, hatte der Bund dem Pleiteflieger kurz nach der Insolvenz einen Brückenkredit von 150 Millionen Euro gegeben. Trotzdem gingen tausende Jobs verloren – und die Hälfte seines Geldes wird der Staat wohl nicht wiedersehen. Auch ein paar Schokoherzen mehr oder weniger werden daran nichts ändern.

Quelle: n-tv.de