Wirtschaft
Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle.
Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle.(Foto: picture alliance / Monika Skolim)
Freitag, 03. August 2018

Auch abgehängte West-Regionen: 739 Euro Lohnunterschied in Ost und West

Deutschlandweit gibt es erhebliche Unterschiede bei den Arbeitseinkommen. So ist das durchschnittliche Einkommen in Ingolstadt mehr als doppelt so hoch wie in Görlitz. Im Länderranking liegen die vier Schlusslichter in Ostdeutschland.

Ostdeutsche Arbeitnehmer erhalten auch fast drei Jahrzehnte nach der Wende noch deutlich weniger als Beschäftigte in den alten Ländern. So verdienten Vollzeitbeschäftigte im Westen zum Stichtag 31. Dezember 2017 insgesamt 3339 Euro. Im Osten lag der Schnitt dagegen bei nur 2600 Euro, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat. Der bundesweite Schnitt der Entgelte lag bei 3209 Euro und damit etwas höher als ein Jahr zuvor mit 3133 Euro.

Am wenigsten bekamen Vollzeitbeschäftigte Ende vergangenen Jahres den Angaben zufolge mit durchschnittlich 2183 Euro brutto im Monat im Landkreis Görlitz in Sachsen, dicht gefolgt vom Erzgebirgskreis und Vorpommern-Rügen. Bundesweit am besten verdient wurde demnach in Ingolstadt in Bayern mit 4635 Euro. Auch in Erlangen, Wolfsburg und Böblingen war der Verdienst hoch.

Im Ländervergleich Spitze sind die Durchschnittsverdienste in Hamburg mit 3619 Euro, wie die Statistik der Arbeitsagentur weiter ergab. Es folgen Baden-Württemberg mit 3546 Euro und Hessen mit 3494 Euro. Schlusslicht der Länder ist Mecklenburg-Vorpommern mit 2391 Euro, knapp davor liegen Thüringen (2459 Euro) und Sachsen (2479 Euro).

Linke fordert Erhöhung des Mindestlohns

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann nannte es "beschämend", dass Ostdeutschland flächendeckend von niedrigen Löhnen gekennzeichnet sei. Aber auch im Westen gebe es abgehängte Regionen. "Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit ihrem erklärten Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in allen Regionen zu unterstützen, darf es nicht bei Lippenbekenntnissen und Ankündigungen bleiben."

Nötig sei, Tarifverträge und Tarifbindung zu stärken. Der Mindestlohn sollte auf zwölf Euro pro Stunde erhöht und Niedriglohnbeschäftigung in Form von Leiharbeit abgeschafft werden. Wie hoch Verdienste regional sind, kann von vielen Faktoren abhängen - zum Beispiel, ob es in einer Stadt Unternehmen mit gut bezahlten Jobs gibt. Einfluss auf die Gehaltshöhe hat auch die Qualifikation von Arbeitnehmern. Über die Kaufkraft sagt die Verdiensthöhe allein noch nichts aus - dies hängt von den Lebenshaltungskosten etwa für Miete oder Lebensmittel ab, die sich regional ebenfalls unterscheiden.

Die Statistik erfasst die durchschnittlichen Brutto-Monatsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten jeweils zum Stichtag 31. Dezember. Auszubildende sind nicht darunter. Einbezogen werden auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zulagen und Zuschläge. Regional zugeordnet wird nach dem Arbeitsort. Dabei wird Berlin zu Ostdeutschland gezählt.

Quelle: n-tv.de