Wirtschaft

Karstadt Kaufhof in der Krise 80 Häuser stehen "im Feuer"

131427504.jpg

"Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste", sagt Sanierungsexperte Kebekus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach großen Umsatzeinbußen sahen Experten die Warenhauskette Karstadt Kaufhof schon kurz vor dem Aus. Mittlerweile ist die Rede von Schulden in Milliardenhöhe. Doch es stehen möglicherweise viel weniger Häuser auf der Kippe als gedacht. Allerdings wären Zugeständnisse nötig.

Von den 172 Häusern der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof können im Idealfall möglicherweise knapp zwei Drittel bestehen bleiben. "Wir haben allen Beteiligten klargemacht, dass 80 Häuser 'im Feuer' stehen. Das ist aber nicht die endgültige Zahl", sagte Sachverwalter Frank Kebekus der "Wirtschaftswoche". Für die wackeligen Standorte bedürfe es der Zugeständnisse von Vermietern und anderen Beteiligten. Dann "kann es dort durchaus weitergehen".

"Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste", sagte Kebekus. "Diese Häuser stehen auf der roten Liste und werden geschlossen." Andere Häuser würden gut laufen und seien auf der schwarzen Liste. Und dann gebe es eben jene Filialen auf der "grauen Liste", deren Schicksal noch nicht geklärt sei.

Bereits Ende Juni soll im Detail feststehen, wer welche Beiträge zur Sanierung leistet, dann soll ein Insolvenzplan erstellt werden, über den die verschiedenen Gläubigergruppen im Juli abstimmen. "Wenn der Insolvenzplan abgelehnt wird, dann wird wahrscheinlich alles zugesperrt, so wie bei Schlecker", warnte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Aktuell gehe er jedoch davon aus, dass Kaufhof und Karstadt erhalten bleiben. "Trotz aller Probleme ist der Warenhauskonzern zu retten, wenn auch nicht unbedingt in seiner heutigen Form", sagte Geiwitz.

1,4 Milliarden Umsatzeinbußen

Insgesamt sei wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro zu rechnen, so der Generalbevollmächtigte Geiwitz. Nur durch Einschnitte könne ein "starkes, gesundes Unternehmen entstehen. Dafür müssen wir das Ergebnis um rund 300 Millionen Euro steigern." Bis Ende 2022 soll der Konzern wieder einen Gewinn erzielen, damit die Filialen aus eigener Kraft modernisiert werden können.

Von den Einschnitten bei Karstadt Kaufhof soll auch Eigentümer Rene Benko nicht verschont bleiben. Die Filialen seiner Immobiliengruppe Signa seien von Schließungen allerdings "sicher unterdurchschnittlich betroffen, weil Signa tendenziell eher die besseren Objekte besitzt, also solche, die sich rechnen", sagte Kebekus. Gleichwohl werden auch Zugeständnisse von Signa erwartet.

Ein nochmaliger Verkauf des Warenhauskonzerns zeichne sich nicht ab. "Aktuell gibt es niemanden, der das Unternehmen übernehmen will. Wir rechnen auch nicht damit, dass noch jemand Interesse anmeldet", sagte Kebekus. Für Galeria Karstadt Kaufhof wurde Anfang April ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Im Rahmen des Verfahrens kann die langjährige Geschäftsführung die Restrukturierung fortsetzen und wird dabei von den Sanierungsexperten Kebekus und Geiwitz unterstützt.

Quelle: ntv.de, can/DJ