Wirtschaft

Zweiter Übernahmeversuch AMS macht Osram Zugeständnisse

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Der ehemals zu Siemens gehörende Leuchtmittelhersteller Osram hat wirtschaftliche Probleme.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Sensorspezialist AMS will Osram übernehmen. Nachdem der erste Anlauf scheitert, senken die Österreicher ihre Ansprüche. Ihnen würden nun auch 55 Prozent der Aktien genügen. Außerdem versprechen sie eine Beschäftigungssicherung bis 2022. Doch das überzeugt nicht alle.

Im Übernahmekampf um Osram geht der Großaktionär AMS auf den Lichttechnikkonzern zu. In seinem erneuten Übernahmeangebot an die Osram-Aktionäre stellt der österreichische Sensorspezialist dem Management und den Beschäftigten erweiterte Zugeständnisse in Aussicht. Osram zeigte sich versöhnlicher als bisher, während die Gewerkschaft IG Metall ihre Skepsis gegenüber AMS bekräftigte.

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AMS versucht bereits zum zweiten Mal, Osram zu übernehmen, um nach eigener Darstellung einen führenden Konzern für optische Informationsübertragung (Photonik) zu schmieden. Wie im ersten Anlauf bietet das Unternehmen aus Premstätten bei Graz 41 Euro je Aktie. Das erste Angebot war daran gescheitert, dass AMS die selbst gesteckte Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent nicht erreichte.

In einem postwendend folgenden neuen Angebot, das AMS wenig später ankündigte, will sich der Konzern mit 55 Prozent der Aktien begnügen. Rund 20 Prozent der Osram-Anteile hat AMS bereits zusammengekauft. Auf offenen Widerstand war AMS bei der Gewerkschaft IG Metall gestoßen, die einen Stellenabbau bei Osram befürchtet. Auch das Osram-Management um Vorstandschef Olaf Berlien hatte sich kritisch zur Strategie geäußert.

Verkauf der Digitalsparte steht zur Diskussion

AMS-Chef Alexander Everke stellte nun eine Kooperationsvereinbarung mit einem erweiterten Schutz für die Belegschaft in Deutschland in Aussicht. In der Offerte ist nun von einer Beschäftigungssicherung bis Ende 2022 die Rede, die es so ausdrücklich bisher nicht gab. Kündigungen sind aber nicht ganz ausgeschlossen. Der Osram-Vorstand und auch die Arbeitnehmervertreter sollen mehr Mitspracherechte erhalten - etwa bei der Frage, ob die Digitalsparte verkauft werden soll. Das wollten die Österreicher ursprünglich direkt nach der Übernahme tun. Auch die im Osram-Vorstand umstrittene Verlagerung der Chipfertigung aus dem neuen, aber schlecht ausgelasteten Werk im malaysischen Kulim nach Regensburg soll noch einmal auf den Prüfstand.

"AMS ist bereit, die bereits eingegangenen Verpflichtungen auszuweiten", erklärte Everke. Die Traditionsmarke "Osram" soll Teil des Namens des fusionierten Konzerns werden. Ein Osram-Sprecher sagte, der Münchner Konzern befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit AMS. "Wir begrüßen die bisherigen Verhandlungsergebnisse und hoffen, die Vereinbarung bald finalisieren zu können." Die neue Offerte läuft bis zum 5. Dezember. Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat wollen - wie üblich - innerhalb von zwei Wochen offiziell zu dem Angebot Stellung nehmen.

Vorstandschef Berlien wird sich womöglich schon am kommenden Dienstag äußern, wenn er die Jahresbilanz des kriselnden Konzerns präsentiert. Die IG Metall gab sich erneut skeptisch, dass sich AMS den mehr als doppelt so großen Osram-Konzern ohne Stellenkahlschlag einverleiben kann. "Wir haben Zweifel an der Tragfähigkeit der Finanzierung", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef Klaus. "Wir werden uns das Angebot anschauen und prüfen, ob es eine Verbesserung für die Arbeitnehmer ist." Im vergangenen Jahr erlöste AMS rund 1,5 Milliarden Euro. Osram kam auf 3,8 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de, lwe/rts/DJ

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