Wirtschaft

Zealand Pharma mit KursrutschAbnehmspritze Survodutide sorgt für Schrecken bei Anlegern

08.06.2026, 16:24 Uhr
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Boehringer Ingelheim will nun an der Dosierung von Survodutide feilen. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Markt für Adipositas-Medikamente wird bis zum Ende der 2030er Jahre auf mehr als 100 Milliarden Dollar wachsen. Entsprechend hart ist der Wettbewerb. Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim legt nun Daten für ein Mittel vor, die nicht ganz eindeutig ausfallen.

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat mit detaillierten Studiendaten zu seiner Abnehmspritze Survodutide gemischte Reaktionen am Markt ausgelöst. Zwar bestätigten auf einem Fachkongress und im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Phase-III-Daten eine deutliche Gewichtsabnahme und einen gezielten Abbau von Leberfett. Gleichzeitig fielen jedoch die hohen Abbruchraten wegen Nebenwirkungen negativ auf. Die Aktien des dänischen Boehringer-Partners Zealand, der an künftigen Erlösen beteiligt werden soll, gerieten daraufhin unter Druck. Die Papiere verloren in Kopenhagen zeitweise bis zu 25 Prozent, das Unternehmen verlor fast 900 Millionen Dollar an Börsenwert.

Den Studiendaten zufolge brach fast jeder vierte Patient in der höchsten Dosierungsgruppe von sechs Milligramm die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Über alle Survodutide-Gruppen hinweg beendeten 19 Prozent der Teilnehmer die Therapie aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden vorzeitig, wie Boehringer mitteilte. In der Placebo-Gruppe lag dieser Anteil bei lediglich 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Bei den bereits zugelassenen Konkurrenzpräparaten Wegovy von Novo Nordisk und Zepbound von Eli Lilly betrugen die Abbruchraten in den jeweiligen Zulassungsstudien sieben und sechs Prozent.

Analysten verwiesen allerdings darauf, dass die Verträglichkeitsprobleme teilweise auf das starre Dosierungsschema der Studien zurückzuführen sein könnten. Boehringer plant daher weitere Untersuchungen mit flexibleren Dosierungsansätzen.

Zugleich belegten die Daten an 725 übergewichtigen Erwachsenen ohne Diabetes das medizinische Potenzial des von Zealand einlizenzierten Wirkstoffs, für den Boehringer die exklusiven Entwicklungs- und Vermarktungsrechte besitzt. Patienten in der höchsten Dosierungsgruppe verloren nach 76 Wochen durchschnittlich 13 Prozent ihres Körpergewichts, wobei auch Teilnehmer berücksichtigt wurden, die die Behandlung vorzeitig abgebrochen hatten.

Betrachtet man nur die Patienten, die die Therapie planmäßig abschlossen, lag der Gewichtsverlust nach Angaben des Unternehmens bei 16,6 Prozent - wie schon Ende April veröffentlicht. Besonders hob Boehringer den gezielten Abbau gesundheitsschädlicher Fettdepots hervor. Das viszerale Bauchfett verringerte sich um bis zu 34 Prozent, der Leberfettanteil um bis zu 63,1 Prozent, während die Muskelmasse weitgehend erhalten blieb.

Boehringer positioniert Survodutide gezielt für Patienten mit Begleiterkrankungen und weniger als Medikament für eine kurzfristige Gewichtsreduktion. Der Wirkstoff kombiniert einen GLP-1- mit einem Glukagon-Ansatz: Während die GLP-1-Komponente den Appetit hemmt, soll der Glukagon-Anteil den Fettabbau in der Leber fördern. Auch bei Patienten mit der stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung MASLD wurden die primären Studienziele erreicht. Experten sehen gerade in diesem Bereich die größte Chance für Survodutide, sich im stark umkämpften Markt für Adipositas-Medikamente von der Konkurrenz abzuheben. Dieser könnte bis 2030 auf mehr als 100 Milliarden Dollar anwachsen. 

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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