Wirtschaft

Verzweifelte Sparpläne in Frankreich Peugeot streicht 8000 Stellen

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Drastische Einschnitte: PSA tritt beim Personal auf die Bremse.

(Foto: REUTERS)

Mit schmerzhaften Einschnitten versucht sich der Autobauer PSA Peugeot Citroën aus seiner misslichen Lage zu befreien: Die Schuldenkrise schlägt offenbar immer stärker auf den Auto-Absatz durch. Jetzt sollen tausende Mitarbeiter gehen. Die Pläne bergen politische Brisanz: Paris hat PSA mit Milliarden an Staatshilfe unterstützt.

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"Gemeinsam gegen die Schließung": Nicht nur in Aulnay muss PSA mit Gegenwind rechnen.

(Foto: REUTERS)

Der größte französische Automobilkonzern PSA Peugeot Citroën will angesichts der düsteren Marktsituation in Europa Tausende Stellen streichen. Betroffen von den Plänen seien vor allem die Standorte in Aulnay-sous-Bois bei Paris sowie im westfranzösischen Rennes, teilte das Unternehmen mit. In Aulnay-sous-Bois soll die Produktion ab 2014 ganz eingestellt werden. Im Großraum Paris will der Konzern seine Produktion auf das Werk in Poissy konzentrieren.

Die Schwere der Krise und ihre Auswirkungen auf das Geschäft in Europa machten diese Neuordnung unvermeidbar, begründete Peugeot den massiven Stellenabbau. Für das erste Halbjahr kündigte der Renault-Rivale ein negatives Nettoergebnis an. Im Autogeschäft werde ein operatives Minus von rund 700 Mio. Euro erwartet, hieß es. Im laufenden Jahr sei im europäischen Automarkt ein Absatzeinbruch von acht Prozent zu erwarten. PSA ist der zweitgrößte europäische Autokonzern nach Volkswagen. Der Absatz in den europäischen Märkten war für die Franzosen bislang ein einträglicher Umsatzgarant.

Im Werk Aulnay-sous-Bois arbeiten etwa 3300 Menschen an der Produktion des Kleinwagens . Die Fertigung dort soll den Angaben nach ab 2014 stillstehen. Auch in Rennes fallen künftig 1400 der 5600 Jobs weg, um das Angebot der sinkenden Nachfrage nach größeren Fahrzeugen anzupassen, teilte Peugeot mit. Im Konzern werden zusätzlich 3600 Beschäftige in verschiedenen Bereichen ihren Job verlieren. "Ich bin mir des Ernstes der heutigen Ankündigungen voll bewusst", erklärte Peugeot-Chef Philippe Varin.

Partner Fiat zieht sich zurück

Der italienische Autobauer Fiat kündigte an sich bis Jahresende komplett aus dem gemeinsamen Werk Sevelnord in Nordfrankreich zurückzuziehen. Im Werk Sevelnord mit seinen 2800 Mitarbeitern werden bisher größere Modelle wie der Van Peugeot 807 sowie Nutzfahrzeuge wie die Kleintransporter Citroën Jumpy und Fiat Scudo produziert. PSA gab  nun bekannt, dass der französische Autobauer den Fiat-Anteil von 50 Prozent übernehmen werde. Leichte Nutzfahrzeuge sollen dort aber  weiterhin gebaut werden.

Die Gewerkschaft CGT kritisierte, dass Fiat bis Ende 2016 zwar weiterhin Fahrzeuge in Sevelnord kaufen wolle. Die Italiener hätten aber keine Garantie dafür abgegeben. Gewerkschafter hatten vor wenigen Tagen hervorgehoben, dass die Produktion von Fiat-Modellen rund 20 bis 25 Prozent in Sevelnord ausmache und dass ein Ausstieg des italienischen Partners daher den Wegfall von mehr als 500 Stellen bedeuten könnte.

Entsetzen in Paris

Die Regierung schaltete sich umgehend ein. "Wir können etwas Derartiges nicht akzeptieren", sagte Sozialministerin Marisol Touraine. Der Autobauer habe in den vergangenen Jahren vier Milliarden Euro Staatshilfen erhalten. "Das ist Geld, das ohne Ertrag verschwunden ist." Die Regierung werde sich die Pläne von Peugeot genau ansehen und in zwei Wochen ein Treffen anberaumen.

PSA Peugeot-Citroën war im Februar eine eingegangen. Seither wurden zusätzliche Stellenkürzungen befürchtet, weil die Kooperation beiden Konzernen erklärtermaßen Einsparungen bringen soll. Ende Mai wurde bekannt, dass Opel die auf Weisung von GM an die Franzosen abgeben soll.

Schlechtes Omen für Opel?

Für den deutschen Autobauer Opel deuten die Sparmaßnahmen bei PSA ein düsteren Ausblick an. Die Konzernstrategie der Opel-Mutter GM versperrt den Deutschen den Zugang zu den , deren starke Nachfrage etwaige Absatzeinbrüche in Europa ausgleichen könnte.

An der Börse kamen die PSA-Pläne nicht gut an: Ein Händler wertete die Streichpläne bei Peugeot als eher negativ für den Aktienkurs. "Mit 8000 gestrichenen Stellen bleibt Peugeot am unteren Rand der Erwartungen. Und die Erfahrung lehrt, dass es schwierig werden dürfte, selbst diese 8000 Stellen abzubauen."

Umstrukturierungen im französischen Automobilbau seien stets politisch heftig umstritten gewesen und oft im Sande verlaufen, lautete die Einschätzung. Der operative Verlust von 700 Mio. Euro im Automobilgeschäft in den ersten sechs Monaten übertreffe die Befürchtungen am Markt und zeige erneut, wie wichtig durchgreifende Maßnahmen seien.

Quelle: ntv.de, AFP/DJ/dpa