Wirtschaft

Es geht um zwei Milliarden Euro Air-Berlin-Gläubiger verklagen Etihad

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Werden die Air-Berlin-Gläubiger jemals einen Teil ihres Geldes wiedersehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Jahrelang stützt Etihad die Fluggesellschaft Air Berlin. Als sich der Großaktionär zurückzieht, ist die Airline binnen weniger Tage pleite. Etliche Gläubiger verlieren daraufhin ihr Geld. Nun wehren sie sich und verlangen Schadenersatz.

Auf den ehemaligen Air-Berlin-Großaktionär Etihad kommt eine milliardenschwere Schadenersatzklage zu. Die Gläubiger der insolventen, einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft fordern bis zu zwei Milliarden Euro von dem Konzern aus Abu Dhabi, wie das Berliner Landgericht mitteilte. Sie werfen Etihad vor, ihre feste Zusage gebrochen zu haben, die notorisch defizitäre Air Berlin für mindestens weitere 18 Monate finanziell über Wasser zu halten.

Nachdem die Araber vier Monate später überraschend die Reißleine zogen, musste Air Berlin binnen weniger Tage Insolvenz anmelden. Für die meisten Gläubiger ist die Klage die einzige Hoffnung, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen. Von Etihad war zu der Klage zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Insolvenzverwalter Lucas Flöther verlange konkret die Zahlung von 500 Millionen Euro sowie die Feststellung, dass Etihad zu weiterem Schadenersatz verpflichtet sei. Die Summe bezieht sich aber nur auf die bereits anerkannten Gläubigerforderungen. Sie könnte noch deutlich wachsen, wenn weitere der insgesamt milliardenschweren Forderungen geprüft seien. Das Gericht legte den Streitwert, nach dem sich die Kosten der Klage richten, auf bis zu zwei Milliarden Euro fest.

"Harte Patronatserklärung" oder nicht?

Air Berlin selbst hatte in der Vergangenheit von Ansprüchen bis zu 1,8 Milliarden Euro an Etihad gesprochen. Flöther hatte bereits mehrfach mit der Klage gedroht, bisher aber mit deren Einreichung gezögert. Wegen der damit verbundenen Kosten hatte Flöther einen Prozessfinanzierer gesucht, der das Geld vorschießt und im Erfolgsfall einen Teil der erstrittenen Summe einstreicht - in der Regel 20 bis 30 Prozent. Unter dieser Voraussetzung hatten die Gläubiger bereits im Frühjahr grünes Licht für die Klage gegeben.

"Die Ansprüche gegen Etihad sind potenziell der wichtigste Vermögenswert im Verfahren", hatte Flöther der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Ohne den Prozess würden die meisten Gläubiger nach derzeitigem Stand völlig leer ausgehen. Flöther hat mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kommen, dass es sich bei der Zusage von Etihad vom April 2017 um eine "harte Patronatserklärung" handelt, die nicht einfach zurückgezogen werden könne.

Etihad war mit 29 Prozent größter Aktionär von Air Berlin, hatte das Unternehmen darüber hinaus aber über Jahre mit Milliarden gestützt. Ohne die Zusage hätte Air Berlin schon früher Insolvenz anmelden müssen. Etihad hat zunächst bis Ende Januar Zeit, auf die Klage zu reagieren. Ob der Prozess tatsächlich in Berlin über die Bühne geht, ist unklar. Auch London - der juristische Firmensitz der Air Berlin plc - oder Abu Dhabi sind denkbar.  

Quelle: n-tv.de, kpi/rts

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