Wirtschaft

Ein Jahr nach der Pleite Air Berlin mutiert zum Börsen-Zombie

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"Vorbei! Ein dummes Wort", sagt Mephistopheles im "Faust".

picture alliance / dpa

Vor einem Jahr hat Air Berlin Insolvenz angemeldet, der letzte Flug der Airline fand im vergangenen Oktober statt. Trotzdem wird die Aktie weiter an der Börse gehandelt. Was ist da los?

Lucas Flöther, der Insolvenzverwalter von Air Berlin kratzt sämtliche Werte zusammen, die er noch finden kann. Beim Abwickeln von Deutschlands ehemals zweitgrößter Fluggesellschaft sucht er Wege, Geld für die Gläubiger einzutreiben. Vor allem die ehemalige Konzernmutter Etihad könnte in Anspruch genommen werden. Genau hierauf setzen nicht nur Gläubiger, sondern auch die Air Berlin-Aktionäre. Ja, die gibt es noch.

Air Berlin
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Es geht um viel Geld. Nach einem Rechtsgutachten, das Flöther hat erstellen lassen, betragen die Ansprüche mindestens 100 Millionen Euro. Die Insolvenz der Fluggesellschaft sei "eines der komplexesten Insolvenzverfahren der Nachkriegsgeschichte bundesweit", sagt er im Gespräch mit n-tv.de. "Wir gehen zurzeit von 1,3 Millionen Gläubigern aus", ergänzt er. Auch deshalb könne es rund zehn Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen sei.

Für Aktionäre könnte schon schneller Schluss sein, wenn Flöther den Börsenabgang, sprich ein Delisting durchsetzt. Dann ist die Aktie üblicherweise innerhalb von sechs Monaten vom Kurszettel verschwunden. Noch steckt Flöther nach eigenen Angaben in den Planungen für ein Delisting.

Börsenwert von knapp zwei Millionen Euro

Vorerst bleibt die Aktie daher an der Börse und das Interesse ist weiterhin vorhanden. Selbst in den Tagen vor der Insolvenz war Air Berlin einer der am meisten gehandelten Aktien bei Brokern wie flatex oder Degiro. Noch heute belaufen sich die Umsätze an guten Tagen auf mehr als 100.000 Stücke hierzulande. Zwar sind die Aktien mit knapp drei Cent kaum noch etwas Wert, aber die Hoffnung in Form einer hohen Entschädigungszahlung des ehemaligen Großaktionärs Etihad besteht weiter.

Aktionäre wetten darauf, dass es eine Entschädigung durch Etihad geben wird. Denn Air Berlin hatte den Insolvenzantrag damit begründet, dass "keine positive Fortbestehungsprognose mehr" bestehe, weil der Hauptaktionär Etihad keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung stelle - obwohl er ursprünglich versprochen hatte, die Verluste bei Air Berlin erst einmal zu decken.

Die Ankündigung kam vom damaligen Etihad-Chef James Hogan im April, vier Monate später verweigerte der Nachfolger die finanziellen Zusagen, worauf Air Berlin in die Insolvenz ging. Auch die positive Beurteilung vom Wirtschaftsprüfer KPMG beim Testat des Jahresabschlusses 2016 beruhte auf der Aussage Hogans.

Prozess möglich

Es ist ungewiss, ob die Rolle von Etihad im Insolvenzverfahren für ein Kurswunder noch ausreicht. Zuletzt war das Papier auf ein Rekordtief von unter drei Cent gefallen und der Börsenwert auf mickrige 1,9 Millionen Euro abgesackt. Seit Ende Januar ist die Aktie nicht mehr im "Prime Standard", sondern nur noch im "General Standard" der Frankfurter Börse notiert, der deutlich niedrigere Anforderungen an ein Listing stellt. Dadurch konnten wenigstens die Kosten für die Börsenpräsenz gesenkt werden.

Derweil zieht Flöther einen Prozess gegen Etihad in Erwägung. Doch ein Gerichtsverfahren, möglicherweise in London oder in Abu Dhabi am Sitz von Etihad, könnte teuer werden. Daher ist die Unsicherheit über eine Zahlung des ehemaligen Großaktionärs nach wie vor sehr groß und möglicherweise läuft es auf einen Kompromiss zwischen den Parteien hinaus. In diesem Fall könnten die Abfindungssummen aus den Gutachten schwer zu erreichen sein - und die Aktionäre des Börsenzombies Air Berlin leer ausgehen.

Quelle: n-tv.de

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