Wirtschaft

Lufthansa muss Strecken abgeben Air Berlin spricht mit Easyjet und Condor

Soll der geplante Zusammenschluss mit Air Berlin klappen, muss die Lufthansa wohl Strecken abgeben. Diese Auflage zeichnet sich von Seiten der EU-Kommission ab. Gleichzeitig bringt Air Berlin selbst Bewegung in einen möglichen Teilverkauf.

Die Lufthansa muss wegen der Übernahme von Air Berlin voraussichtlich Strecken abgeben, um den geplanten Zusammenschluss von der EU-Kommission genehmigt zu bekommen. Die bisherigen Routen von Air Berlin und Lufthansa hätten sich offensichtlich erheblich überschnitten, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dieser Wettbewerb falle jetzt weg. "Auf einigen Strecken gibt es jetzt einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol." Monopole hätten in der Regel höhere Preise und schlechteren Service zur Folge. "Das zu verhindern ist unsere Aufgabe."

Sie könne die endgültige Entscheidung der Kommission nicht vorwegnehmen, zumal die Lufthansa die geplante Fusion noch nicht in Brüssel angemeldet habe, sagte die dänische Politikerin. Je eher Lufthansa bereit sei, auf die voraussichtlichen Bedenken ihrer Behörde einzugehen, desto schneller sei eine Genehmigung mit entsprechenden Auflagen denkbar.

Lufthansa-Chef Spohr erklärte zuletzt, die Lufthansa werde EU-Auflagen annehmen, wenn diese angemessen seien.

Air Berlin spricht mit Easyjet und Condor

Indes ist in die Gespräche zum Verkauf von Teilen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin Bewegung gekommen. "Air Berlin verhandelt derzeit mit zwei Bietern, mit Easyjet und Condor", sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Rennen ist völlig offen."

Ein Air-Berlin-Sprecher verwies auf eine Presseerklärung vom Freitag, wonach die Exklusivität der Verhandlungen mit Easyjet aufgehoben sei. Sprecher des britischen Billigfliegers und der Thomas Cook-Tochter Condor lehnten eine Stellungnahme dazu ab. Derweil hängt die Schaffung einer Auffanglösung für rund 4000 Beschäftigte der Berliner Airline am seidenen Faden. Sie steht und fällt mit der finanziellen Beteiligung von Bund und Ländern. Eine Entscheidung soll am Mittwoch fallen.

Stärkeres Easyjet-Engagement in Deutschland?

Air Berlin verhandelte zuletzt mit Easyjet über die Übernahme von rund 25 Maschinen am Standort Berlin. Die Briten diskutieren mehreren Insidern zufolge intern, ob sie nach dem Brexit wie geplant ein zweites Standbein im EU-Land Österreich aufbauen oder sich mit dem Kauf von Air-Berlin-Teilen stärker in Deutschland engagieren sollten. In den Gesprächen mit Condor geht es einem Eingeweihten zufolge um weniger als zwei Dutzend Flugzeuge. In jedem Fall müsse es bis Ende dieser Woche eine Einigung geben, hieß es. Denn Air Berlin stellt den Flugbetrieb in eigener Regie am Freitag ein.

Bis dahin muss auch geklärt sein, ob es zu einer Transfergesellschaft kommt. "Wir sind in einer kritischen Situation vor den abschließenden Gesprächen", sagte der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning, in Berlin. Er appellierte an den Bund, Nordrhein-Westfalen und Bayern, Air Berlin selbst und Käufer von Unternehmensteilen der Airline, sich ihrer Verantwortung für die Beschäftigten zu stellen. Die angepeilte Transfergesellschaft soll helfen, Mitarbeiter ohne Jobperspektive zu schulen und zu vermitteln.

Bayern will dafür aber kein Geld geben. Der Freistaat sehe die Unternehmen in der Pflicht, erklärte eine Sprecherin des Arbeitsministeriums in München. Die in Bayern betroffenen Beschäftigten dürften nach Einschätzung der Landesregierung ohnehin rasch neue Stellen auf dem boomenden Arbeitsmarkt in der Region finden.

Transfergesellschaft auf der Kippe

Böhning signalisierte, dass bei einem Scheitern tausenden Beschäftigten die Kündigung bevorstehe. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, "damit die Kolleginnen und Kollegen der Air Berlin nicht schon nächste Woche drohen auf der Straße zu stehen". Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, hatte jüngst zur Eile gemahnt und erklärt, bis Anfang November müsste etwa 4000 Mitarbeitern gekündigt werden.

Air Berlin kalkuliert intern mit Kosten von rund 50 Millionen Euro für die Transfergesellschaft. Der Konzern will ein Fünftel davon selbst aufbringen und erhielt dafür grünes Licht von seinen Gläubigern. Die Lufthansa bekräftigte erneut, dass sie sich nicht beteiligen werde.

Böhning mahnte mehr Engagement von Bund und Ländern an. Wenn es zu einer Auffanglösung komme, müsse sich die öffentliche Hand auch an den Gesamtkosten beteiligen und nicht nur an kleineren Einzelposten. "Rosinen-Pickerei wird nichts bringen."

Quelle: ntv.de, bad/rts