Wirtschaft

"Black Box" wacht über Image Airbnb-Team poliert schmutzige Vorfälle auf

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Die meisten Airbnb-Inserate versprechen angenehme Überraschungen, wie dieses im englischen Nottinghamshire. Doch auch für schlimme Vorfälle hat Airbnb Lösungen.

(Foto: imago images/Cover-Images)

Anders als bei Facebook oder Amazon begegnen sich die Kunden von Airbnb persönlich. Wird ein Mietvertrag abgeschlossen, kommen Gastgeber und Gäste in Kontakt. Wenn es dabei schwerwiegende Vorfälle gibt, verfügt der Konzern über eine schnelle Eingreiftruppe.

Der Apartment-Vermittler Airbnb hat offenbar eine weltweite Problemlöser-Truppe. Das Team, das intern "Black Box" heißt, steht auf der Matte, wenn zwischen den Gästen und den Gastgebern der Plattform etwas gründlich schiefläuft. Einem Bericht von Bloomberg Businessnews zufolge sollen auf diese Weise Verbrechen von Vandalismus und Vergewaltigung bis hin zu Mord in Airbnb-Wohnungen und -Häusern geräuschlos behandelt worden sein. Damit habe der Konzern verhindern wollen, dass Fälle an die Öffentlichkeit gelangen und das Image der Firma Schaden nimmt, berichtete das Wirtschafts-Magazin.

Mehr als einhundert "Agenten" sollen demnach für den Wohnungsvermittler aktiv sein: Sie arbeiten rund um die Welt, in Dublin, Montreal oder Singapur. Viele hätten Militärtraining absolviert oder Erfahrungen bei privaten Sicherheitsdiensten gesammelt. Mehr als 40 Millionen Euro lasse sich Airbnb sein Elite-Team pro Jahr kosten, schreibt das Finanzportal. Bei spektakulären Verbrechen soll der Konzern großzügige Kompensationszahlungen an Betroffene und Vermieter ausbezahlen.

Der Bericht nennt dabei etwa einen Vergewaltigungsfall 2016 in New York, bei dem sich der Straftäter einen Zweitschlüssel hatte anfertigen lassen. Das Opfer verzichtete darauf, Airbnb oder den Apartment-Besitzer zu verklagen und erhielt sieben Millionen Dollar Schadensersatz. Bei einem Massaker in einer Airbnb-Wohnung im US-Bundesstaat Kalifornien starben laut dem Bericht 2019 fünf Menschen. Airbnb übernahm demnach die Begräbniskosten.

Obama-Mitarbeiter an Bord

Bei Airbnb vermieten private und gewerbliche Vermieter ihr "Zuhause" oder einen Teil davon unter Vermittlung der Plattform. Die Firma übernimmt jedoch keine rechtlichen Verpflichtungen. Der Job, verrieten ehemalige Teammitglieder Bloomberg Businessnews, sei nervenaufreibend, da widerstreitende Interessen von Gästen, Gastgebern und dem Unternehmen ausgeglichen werden müssen. "Ich hatte Situationen, in denen ich auflegen und weinen musste", erinnert sich ein ehemaliger Agent.

Weil es für den Job des Problemlösers offenbar viel Fingerspitzengefühl braucht, verpflichtete Airbnb dafür Topkräfte: Das Geheimteam wurde in seiner Frühphase geleitet von Nick Shapiro, dem ehemaligen Berater des Nationalen Sicherheitsrates unter Ex-Präsident Barack Obama und einst stellvertretender Stabschef bei der Central Intelligence Agency (CIA).

Indiskretion nach Kündigungswelle

Warum nun doch alles ans Licht kommt, verrät der Bericht ebenfalls: 25 der Top-Agenten das "Black Box"-Teams wurden im Vorjahr wegen der Pandemie entlassen. Jetzt sprachen acht ehemalige und 45 noch angestellte Agenten mit dem Magazin und ließen ein wenig Luft und Licht an die dunkle Seite des Vermieter- und Vermittlungsalltags.

Der Apartment-Riese hatte erst in dieser Woche einen Tiefschlag für sein Deutschland-Geschäft einstecken müssen: Das Verwaltungsgericht Berlin verpflichtete Airbnb die bisher geheimgehaltenen Daten privater Vermieter an die Behörden herauszugeben, wenn der Verdacht der Zweckentfremdung besteht. Diese Schlacht ist allerdings noch offen: Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Quelle: ntv.de, mau

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