Wirtschaft

Plan für Eurofighter-Nachfolger Airbus-Rüstungschef warnt vor Fehlern

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Der Eurofighter startete als deutsch-französisches Projekt.

(Foto: dpa)

Deutschland und Frankreich planen einen Nachfolger für den in die Jahre gekommenen Eurofighter. Ab 2025 soll er an den Start gehen. Erste Schritte wollen die beteiligten Länder schon 2018 einleiten.

Airbus rechnet noch 2018 mit richtungsweisenden Entscheidungen für den von Deutschland und Frankreich geplanten Nachfolger des Kampfjets Eurofighter. "Wir gehen davon aus, dass grundlegende Fragen, wie das Projekt aufgesetzt werden soll, im zweiten Quartal besprochen werden, so dass in der zweiten Jahreshälfte 2018 die ersten Weichen gestellt werden können", sagte der Chef der Airbus-Rüstungssparte Defence and Space, Dirk Hoke. Ausschlaggebend sei unter anderem, ob nur Deutschland und Frankreich eine Studie für den neuen Jet erstellten.

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Die Alternative sei, schon in diesem frühen Stadium weitere Staaten an dem Vorhaben zu beteiligen. "Das ist eine Frage, die auf Regierungsebene zwischen Deutschland und Frankreich gerade diskutiert wird", sagte Hoke. "Wir halten es für sinnvoll, dass in jedem Fall auch andere Nationen an dem Projekt beteiligt werden." Es gehe um ein sehr großes Projekt. Viele Kompetenzen anderer Länder, vor allem Großbritanniens, würden dafür später wichtig werden. "Zu welchem Zeitpunkt man jetzt die Länder dazu bittet, das ist etwas, was zwischen den Nationen geklärt werden muss", sagte Hoke.

Mit einer reinen deutsch-französischen Kooperation zu starten und später die anderen Nationen einzubeziehen, habe genauso Vor- und Nachteile, wie gleich mit den anderen Ländern zu beginnen. "Wir können mit beiden Entscheidungen leben." Entscheidend sei, dass Fehler wie bei der Planung des Militärtransporters A400M vermieden würden. "Wichtig ist, dass bei der Erstellung der Spezifikation mit Augenmaß herangegangen wird", mahnte Hoke. Es gelte zu verhindern, "dass eine zu umfangreiche Spezifikation bestellt wird, die hinterher von der Industrie nicht umgesetzt werden kann."

Zu Spekulationen, der französische Kampfjet-Hersteller Dassault könnte die Federführung bei dem Vorhaben übernehmen, sagte Hoke, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Bei dem Flugzeug werde es Teilsysteme geben, über deren jeweilige Leitung man sich einigen müsse. Es werde auch eine Rolle spielen, wie hoch die Investitionen und Beteiligungen der jeweiligen Nationen an dem Projekt seien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron hatten im Juli bekanntgegeben, dass die beiden Länder einen gemeinsamen Kampfjet entwickeln wollen, der langfristig den Eurofighter von Airbus beziehungsweise den französischen Kampfjet Rafale ersetzen soll. Ein gemeinsamer Fahrplan für das neue Flugzeug, das Airbus gern bauen würde, sollte danach bis Mitte 2018 stehen. Auch bei der Entwicklung der Euro-Drohne sollten dieses Jahr die nächsten wichtigen Schritte getan werden, kündigte Hoke an. Die Kooperation mit den Partnern aus dem Ausland laufe gut. Bei der Luftfahrtausstellung ILA Ende April in Berlin werde es dazu Neuigkeiten geben. Deutschland hat die Federführung bei der Entwicklung der europäischen Drohne inne.

Kritik an Rüstungspolitik

Kritisch äußerte sich Hoke zu den Plänen von Union und SPD für Einschränkungen beim Rüstungsexport. "Wir werden heute schon bei anderen europäischen Ländern nicht als zuverlässige Partner eingestuft, weil sich die Rüstungsexportpolitik je nach Wahlausgang verändert", sagte er. "Sollte es zu noch stärkeren Beschränkungen kommen, müssen wir das auch in unserer strategischen Planung berücksichtigen." Airbus produziert Rüstungsgüter bisher in Deutschland, aber auch an anderen Standorten wie etwa Frankreich. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag Rüstungsexporte in Drittländer außerhalb Nato, EU oder gleichgestellten Staaten weiter beschränken und die Ausfuhrrichtlinien noch 2018 verschärfen.

Hoke kritisierte zudem die deutschen Wehrausgaben als viel zu gering. "Mit den geplanten Erhöhungen werden nicht einmal Inflation und zu erwartendes Wirtschaftswachstum ausgeglichen", bemängelte er. Deutschland gebe bisher nur 1,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Verteidigung aus, habe der Nato aber zwei Prozent zugesagt. Damit werde es seiner Verantwortung in Europa nicht gerecht.

Quelle: n-tv.de, ino/rts

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