Wirtschaft

Vorbereitung auf Corona-Delle Airbus nimmt Kredite auf, streicht Dividende

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Airbus hat Geld für etwa neun Monate beiseite gelegt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Airbus bereitet sich auf die Folgen der Coronakrise vor: Der europäische Flugzeugbauer stockt seine Barreserven auf und streicht die Dividende. Gleichzeitig ruft das Unternehmen seine Mitarbeiter wieder in die ersten Fabriken: "Gesundheit und Sicherheit" seien sichergestellt, heißt es.

Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat seine Produktion in Frankreich und Spanien nach viertägigem Stillstand wegen der Coronakrise teilweise wieder aufgenommen. Durch zusätzliche Hygiene-Maßnahmen sei die "Gesundheit und Sicherheit" der Beschäftigten in den Betriebsstätten nun gewährleistet, erklärt der Konzern. Um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern, nahm Airbus neue Milliardenkredite auf und strich die geplante Dividenden-Zahlung für seine Aktionäre.

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Mit den Hygiene-Maßnahmen in Frankreich und Spanien setzte der Flugzeughersteller Auflagen und Empfehlungen der Regierungen in Paris und Madrid um. Die Produktion laufe nur in jenen Bereichen wieder an, die den Vorgaben entsprächen und wo es ausreichend Abstand zwischen den Beschäftigten gebe, betont der Konzern. Er hat zudem viele Mitarbeiter in Heimarbeit am Computer geschickt. An anderen Standorten - darunter Deutschland - wurden die Hygieneauflagen demnach ohne Produktionsstopp umgesetzt.

In Frankreich beschäftigt Airbus rund 48.000 Menschen. Die Produktion findet hauptsächlich am Stammsitz im westfranzösischen Toulouse statt. In Spanien gibt es 2700 Mitarbeiter mit einer Fertigung in Sevilla. Spanien und Frankreich gehören zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern in Europa.

"Keine Hilfe der Regierungen"

Wie Airbus weiter mitteilte, wurden zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit neue Kredite aufgenommen. Zudem wurde die angekündigte Dividenden-Zahlung von 1,80 Euro je Aktie für 2019 gestrichen - das sind insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Die Liquidität des Konzerns werde so von bisher 20 auf 30 Milliarden Euro gesteigert.

"Wir ersuchen keine direkte Hilfe der Regierungen für Airbus", sagte Faury und wies auf die Finanzmaßnahmen des Konzerns hin. Unterstützung für Zulieferer, die in Schwierigkeiten gerieten, sei aber sinnvoll. "Das ist eine sehr komplizierte Branche", sagte Faury. Ein Flugzeug habe bis zu 500.000 Einzelteile. "Ich bin überzeugt, dass Airbus und die Luft- und Raumfahrtindustrie als Ganzes diese kritische Phase überwinden werden." Airbus sei in Kontakt mit allen Fluggesellschaften. "Wir stellen weiter ein hohes Vertrauen für Airbus fest."

Zu möglichen Auftragsrückgängen äußerte sich Faury nicht. Zuletzt verzeichnete Airbus rund 7700 Bestellungen. Auch eine Gewinnprognose für das laufende Jahr gibt der Konzern nicht mehr ab.

Citigroup lobt Maßnahmen

Der Konzern teilte ferner mit, eine A330-800 habe im Rahmen eines Testflugs rund zwei Millionen Atemschutzmasken aus dem chinesischen Tianjin nach Europa gebracht. Die Masken sollten größtenteils den französischen und spanischen Behörden gespendet werden, hieß es. Airbus hat in Tianjin ein Werk, das nach dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China geschlossen worden war. Nach Angaben des Unternehmens nahm es bereits im Februar die Produktion wieder auf.

Die Citigroup lobt die Maßnahmen als "vernünftig". Die nun verfügbare Liquidität entspreche etwa den betrieblichen Aufwendungen des Konzerns im Zeitraum von neun Monaten, schätzen die Finanzanalysten. Die Verträge des Unternehmens mit Zulieferern dürften es ihm zwar theoretisch ermöglichen, seine jährlichen Kosten um zwei Drittel zu drücken. Dann könnten die liquiden Mittel sogar für 27 Monate reichen. Allerdings werde Airbus möglicherweise seine Zuliefererkette unterstützen und am Leben erhalten müssen, heißt es, indem der Konzern Finanzhilfen gewähre oder Lagerbestände aufbaue.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa

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