Wirtschaft

Neuer Eigentümer steht fest Airline LOT kauft Ferienflieger Condor

Nach der Insolvenz von Thomas Cook gerät auch der Ferienflieger Condor ins Straucheln. Nur mit einem Hilfskredit kann die Fluggesellschaft in der Luft bleiben. Doch nun ist ein Käufer gefunden: die polnische Fluglinie LOT.

Der Ferienflieger Condor fliegt unter neuem Eigentümer weiter: Nach monatelanger Suche hat die angeschlagene Airline einen Käufer gefunden. Die polnische Gesellschaft LOT erhält im Bieterrennen den Zuschlag und sticht damit mehrere Finanzinvestoren aus. Bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main wurde der neue Eigentümer vorgestellt. "Zusammen werden wir doppelt so viele Passagiere bedienen und damit eine der größten Luftfahrtgesellschaften und eine führende Ferienfliegergruppe in Europa bilden", sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup.

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Derzeit betreibt die LOT eine Flotte von 80 Maschinen. Die Condor kommt auf knapp 60 Jets.

(Foto: picture alliance/dpa)

LOT ist in der Star Alliance mit dem Lufthansa-Konzern verbunden. Die Gesellschaft hat 2019 zum vierten Mal in Folge einen starken Anstieg ihrer Passagierzahlen verzeichnet. Die Airline beförderte 2019 mehr als 10 Millionen Passagiere, das waren 1,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Betrieb ist nach eigenem Bekunden profitabel - genaue Zahlen dazu wurden nicht genannt. Derzeit betreibt die LOT eine Flotte von 80 Maschinen. Die Condor kommt auf knapp 60 Jets.

"Condor hat mit seiner Mischung aus klassischen Sonnenzielen in Europa und interessanten Langstreckenflügen erfolgreich ein eigenes Profil entwickelt", so Luftfahrtexperte Cord Schellenberg zu ntv. Die Airline besitze daher einen großen Markenwert als Ferienflieger. "Die polnische Fluggesellschaft LOT ist ein seriöser Anbieter auf Wachstumskurs und kann mit Condor ihren eigenen Ferienflugverkehr weiter verstärken." Seine Prognose: "Die Kunden in Deutschland und Polen werden davon profitieren."

Bis zum Jahr 2024 will das polnische Unternehmen LOT die Zahl der beförderten Passagiere auf 20 Millionen pro Jahr verdoppeln, hatte Vorstandschef Rafal Milczarski in dieser Woche erklärt. 2015 hatte die Airline nach eigenen Angaben noch 4,4 Millionen Fluggäste mit lediglich 37 Flugzeugen befördert. Zuletzt waren im Bieterverfahren um Condor drei ernsthafte Interessenten in Medienberichten genannt worden: Neben der LOT waren das der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern und einem Co-Investor sowie als dritter Bieter die britische Investmentgesellschaft Greybull.

Condor hatte meist Gewinne eingeflogen

Nach der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook im September hatte sich Condor nur mit einem staatlichen Überbrückungskredit in der Luft gehalten. Die Bundesregierung und das Land Hessen bürgten für KfW-Darlehen von 380 Millionen Euro, um die Suche nach einem Käufer zu erleichtern. Die Frankfurter Airline hatte in den vergangenen Jahren meist Gewinne eingeflogen und ist auch für deutsche Reiseveranstalter ein wichtiger Geschäftspartner.

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Zuletzt hatten die rund 5000 Condor-Beschäftigten Einschnitte hinnehmen müssen, um das Unternehmen für einen Käufer attraktiver zu machen. Ziel von Vorstandschef Ralf Teckentrup war es, die Gewinnaussichten der Airline mit Kostensenkungen zu verbessern und das Unternehmen möglichst als Ganzes zu verkaufen. So wurde etwa beschlossen, 170 von 750 Jobs in der zentralen Frankfurter Verwaltung abzubauen. Jüngst hatte sich Condor zudem mit den Gewerkschaften Verdi und Ufo auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt, der die Streichung von 150 Flugbegleiterstellen vorsah.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/rts