Wirtschaft

Für neue Premium Economy Airlines reißen Sitze heraus

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Bereits drei Jahre vor Ausbruch der Pandemie ist die Nachfrage nach einer weiteren Klasse gestiegen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als die Pandemie den Geschäftsreiseverkehr lahmlegte, mussten Fluggesellschaften neue Wege finden, ihre Gewinne zu steigern. Geld verdienen Lufthansa und Co eigentlich nur mit der Business-Class. Eine weitere Klasse soll das bald ändern.

Die Corona-Krise hat den Luftverkehr getroffen wie keine zweite Branche. "Wir sind praktisch im Luftverkehr in einem anderthalbjährigen Lockdown", sagte der Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow, erst kürzlich. Seit Juni zeichne sich langsam eine Belebung ab. Während das Frachtgeschäft boomt, hat der Passagierverkehr aus Branchensicht noch viel Luft nach oben. "Es fehlen nach wie vor Gäste, die aufgrund von Messen, Kongressen und Städtetrips nach Deutschland fliegen", hieß es.

Für viele Airlines ist das ein Problem, denn während die Beförderung zu Urlaubszielen den Fluggesellschaften dazu dient, ihre Kosten zu decken, wird das eigentliche Geld vorne in der Business-Class verdient. Als die Corona-Pandemie den Geschäftsreiseverkehr lahmlegte, hat sich das gerächt. Die Fluggesellschaften mussten andere Wege finden, um ihre Gewinne zu steigern. Die Lösung heißt Premium Economy.

Laut dem Finanzportal "Bloomberg" ist eine wachsende Zahl von Freizeitreisenden bereit, für ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit tiefer in die Tasche zu greifen. "Die Menschen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen, und die Fluggesellschaften können sie nicht mehr in eine oder zwei Kategorien zwingen", sagt Juha Jarvinen, kaufmännische Leiterin bei Virgin Atlantic Airways Ltd, "Bloomberg".

Bereits drei Jahre vor Ausbruch der Pandemie gab es eine wachsende Nachfrage nach einer weiteren Klasse. Die Zahl der Premium-Economy-Sitze stieg jährlich um fünf Prozent. Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint Market Intelligence prognostiziert laut "Bloomberg", dass sich dieses Tempo noch beschleunigen wird, da immer mehr Fluggesellschaften die Idee aufgreifen. Sie bieten mit der Premium Economy etwas breitere Sitze, einige Zentimeter mehr Beinfreiheit, eine tiefere Liegeposition, größere Bildschirme und etwas bessere Speisen und Getränke an.

Die Plätze in der Premium-Kabine nehmen nur 10 Prozent mehr Raum als in der Touristenklasse ein. Während ein Sitz in der Business-Class in der Regel dreimal so viel Platz benötigt. Laut Deutscher Lufthansa generiert die Premium-Economy-Kabine dabei pro Quadratmeter 33 Prozent mehr Umsatz als die Business-Class-Kabine und 6 Prozent mehr als die Business-Kabine. Die Premium-Economy-Kabine ist damit 40 Prozent rentabler als die Business-Class-Kabine, weil sie billiger zu installieren ist. Ein Premium-Sitz kostet zwischen 8000 und 20.000 Dollar, ein Bruchteil des Preises von 75.000 bis 250.000 Dollar für einen Liegesitz in der Business-Class.

Erschwingliche Alternative zur Economy-Class

Die Lufthansa verfügt inzwischen in allen 102 Langstreckenflugzeugen über Premium-Economy-Kabinen und will weitere Sitze der Business-Class streichen, um die Kabinen zu erweitern. Auch die drei größten US-amerikanischen Fluggesellschaften American, United und Delta führen diese Klasse in ihren Großraumflotten ein. Emirates hat in diesem Jahr sein erstes Premium-Economy-Angebot auf einigen A380-Doppelstockflugzeugen der Airbus SE eingeführt. Finnair Oyj wird im nächsten Jahr damit beginnen, den Service auf allen 27 seiner Großraumflugzeuge anzubieten.

Das Unternehmen Lufthansa Technik, ein Spezialist für die Umgestaltung von Kabinen, hat nach eigenen Angaben mehrere Anfragen von anderen Fluggesellschaften erhalten, Premium-Economy-Sitze einzubauen und dafür die Business-Class zu verkleinern. Einige asiatische Fluggesellschaften erwägen sogar, die Business-Class ganz abzuschaffen. Der Einbau der Kojen und die Neuverkabelung der Kabine nehmen nur etwa fünf Tage in Anspruch, sagt Niels Dose, Product Sales Manager bei Lufthansa Technik, "Bloomberg".

Viele Reisende entscheiden sich für die Business-Class, weil sie auf dem Flug gut schlafen wollen. Der Komfort in der Premium Economy könnte in Zukunft viele Business-Passagiere eher dazu veranlassen, einen Schritt nach unten zu machen, als sich upgraden zu lassen, sagt Ben Bettel, Berater bei Counterpoint, "Bloomberg". "Die Premium Economy bietet einen erschwinglichen Ausweg aus der Economy-Class", sagt Bettell, "und, was vielleicht noch wichtiger ist, eine Möglichkeit für Reisende, ihren Status zu verbessern".

Quelle: ntv.de, jki

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