Wirtschaft

Korrektur oder Salami-Crash? Aktien-Party ist noch nicht vorbei

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(Foto: REUTERS)

Der Dax notiert seit gut zwei Monaten schwächer. Dabei handelt es sich um eine gesunde Korrektur und nicht um auf einen Crash auf Raten. Denn Aktien bleiben alternativlos.

In der Spitze hat der Deutsche Aktienindex Dax seit seinem Allzeithoch Mitte Juni fast 1000 Punkte eingebüßt. Da stellt sich die Frage: Ist das ein gesundes Luftablassen oder der Beginn einer längeren Abwärtsbewegung – eines sogenannten Salami-Crashs? Das sind die derzeit wichtigsten Argumente gegen und für Aktien:

  • Aktien sind vor allem in den USA derzeit hoch bewertet – und zwar so hoch wie Ende der 20er und Ende der 90er Jahre. Beides Mal folgte ein brutaler Börsencrash. Selbst wenn die Wall Street nur korrigiert, werden sich dem auch die europäischen Börsen nicht entziehen können. Der Dax ist besonders anfällig, weil er sich zu mehr als 50 Prozent in ausländischer Hand befindet.
  • Die Wirtschaft wächst in der Eurozone so stark wie schon lange nicht mehr. Der wichtige Konjunkturindikator des Ifo-Instituts ist in Deutschland im Juli den dritten Monat in Folge auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Die Wirtschaftsforscher sprechen von einer euphorischen Stimmung in den deutschen Chefetagen. Das lässt sich kaum noch toppen – damit sind künftig Enttäuschungen wahrscheinlicher also positive Überraschungen.
  • Vor diesem Hintergrund werden die Unternehmensgewinne nicht im selben Tempo weiter steigen wie bisher – das macht die Bewertungen anfällig.
  • Die Unterstützung durch Notenbanken wird nachlassen. Die amerikanische Fed denkt über Verkäufe von Anleihen nach, was den Finanzmärkten Liquidität entziehen würde. Und auf die EZB steigt der Druck zu erklären, wann und in welchem Umfang sie ihre Anleihekäufe zurückfährt. In Deutschland belief sich die Inflation zuletzt auf 1,7 Prozent. Das entspricht in etwa der Zielmarke der EZB von knapp zwei Prozent.
  • Die Volatilitäten bewegen sich noch immer auf einem (zu) niedrigen Niveau. Eine Normalisierung sollte mit fallenden Kursen einhergehen.
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Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.

Doch die aktuelle Lage an den Finanzmärkten ist – wie meistens – nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn es gibt auch gute Gründe, die nach der Korrektur jetzt wieder für steigende Aktienkurse sprechen.

  • Die Stimmung an den Aktienmärkten ist keineswegs euphorisch und war es auch bei den jüngsten Rekordständen nicht. Meistens bedeutet das, dass die Anleger noch nicht voll investiert sind und damit noch Nachfragepotenzial besteht.
  • Die Unternehmensgewinne sind 2017 stark gestiegen und rechtfertigen damit die Bewertungen der Aktienkurse. Vor allem: Die Profite werden voraussichtlich weiter steigen. Höhere erwartete Unternehmensgewinne sind wohl der wichtigste Motor für feste Börsen.
  • Politische Risiken sind derzeit gering. Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA ist wohl eher ein Säbelrasseln. Europa ist nach den letzten Wahlen politisch deutlich stabiler als noch vor wenigen Monaten gedacht.
  • Die Finanzmärkte schwimmen derzeit in Liquidität und es gibt keine ernsthaften Anlagealternativen zu Aktien.
  • Anleihen werfen kaum, keine oder sogar negative Renditen ab und sind damit noch viel höher bewertet als Aktien.
  • Auch Immobilien sind mittlerweile (zu) teuer – eine Fremdvermietung rechnet sich trotz der günstigen Zinsen häufig kaum mehr.
  • Der Dax hat bereits – wie von uns erwartet – spürbar korrigiert. Europäische Aktien notieren – gemessen am Euro Stoxx 50 – sogar deutlich mehr als 20 Prozent unter den Allzeithochs. Da besteht noch Luft nach oben.

Unter dem Strich könnte die Aktien-Korrektur zwar gerade in den umsatzschwachen Sommermonaten noch ein Stück weitergehen – ein Salami-Crash ist mangels Alternativen aber unwahrscheinlich. Es ist eher wieder mit steigenden Kursen zu rechnen. Anleger sollten daher „die Party noch nicht verlassen – sich aber in der Nähe des Notausgangs aufhalten“. Praktisch bedeutet das: Stoppkurse setzen und Portfolien ständig überprüfen.

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Quelle: ntv.de

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