Wirtschaft

"Wirtschaft widerstandsfähiger" Altmaier erwartet keine breite Rezession

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Die Bundesregierung geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft besser durch die zweite Welle kommt als durch die erste.

(Foto: imago images/STAR-MEDIA)

Die zweite Welle wird sich nicht so negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirken wie die erste im Frühjahr, erwartet Bundeswirtschaftsminister Altmaier. Allein an Unternehmen seien bereits 71 Milliarden Euro an Hilfen geflossen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet trotz des Shutdowns in der Corona-Krise nicht mit einem Einbruch der Wirtschaft. Der CDU-Politiker wies außerdem Kritik an einer schleppenden Umsetzung von Corona-Finanzhilfen für Unternehmen zurück und warnte vor Missbrauch. "Noch nie wurden Hilfszahlungen in dieser Größenordnung innerhalb so kurzer Zeit beschlossen und bewilligt", sagte Altmaier der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es muss sichergestellt sein, dass das Geld der Steuerzahler bei denen ankommt, die es wirklich brauchen, nicht bei solchen, die als Betrüger oder Abzocker unterwegs sind."

Trotz des zurzeit weitgehenden Shutdowns im Einzelhandel erwartet Altmaier keinen Einbruch der Wirtschaft wie im Frühjahr. "Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir bei dieser Welle, anders als bei der ersten Welle im Frühjahr, eine breite Rezession vermeiden können", sagte er. "Wir haben aus der ersten Phase der Pandemie gelernt, unsere Unterstützungsprogramme für Unternehmen und Beschäftigte funktionieren, unsere Wirtschaft ist heute widerstandsfähiger, und die internationalen Lieferketten waren im Unterschied zur Situation im Frühjahr nicht erneut unterbrochen. Vieles hängt natürlich davon ab, dass das auch so bleibt."

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Altmaier zufolge wurden die Hilfen zügig ausgezahlt.

(Foto: dpa)

In der Herbstprognose hatte Altmaier für das laufende Jahr mit einem Minus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 5,5 Prozent gerechnet. Nachdem das BIP nach dem Shutdown im Frühjahr eingebrochen war, hatte sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal überraschend stark erholt.

Abschlagszahlungen als Vorschüsse

"Wir haben seit Beginn der Pandemie Hilfen im Umfang von 71 Milliarden Euro an Unternehmen geleistet, zusätzlich einen zweistelligen Milliardenbetrag an Kurzarbeitergeld", sagte Altmaier. "Wir haben bei der Novemberhilfe bereits über eine Milliarde an Abschlagszahlungen auf die Konten der Soloselbstständigen, Künstler und Unternehmen überwiesen. Das Antragsverfahren zur Dezemberhilfe startet in Kürze und bis Anfang des Jahres sind wir imstande, die Abschlagszahlungen der Dezemberhilfe auszuzahlen."

Die Abschlagszahlungen sind ein Vorschuss auf spätere Zahlungen. Wirtschaftsverbände hatten wiederholt Kritik an einer schleppenden Umsetzung der Hilfen geäußert. So befürchtet der Mittelstand, dass die staatliche Unterstützung für viele Firmen zu spät kommt. Die Novemberhilfen würden zu langsam ausgezahlt, hatte der Bundesverband mittelständische Wirtschaft kritisiert.

Unternehmen bekommen Abschlagszahlungen in Höhe von 50.000 Euro, Soloselbstständige von bis zu 5000 Euro. Altmaier betonte die schnelle Auszahlung und sagte, im Laufe des Monats Januar folgten die Abschlagszahlungen für die Überbrückungshilfe III, um denjenigen Unternehmerinnen und Unternehmen zügig zu helfen, die auch im neuen Jahr von Schließungen betroffen seien und sich damit weiter in einer schweren Lage befinden.

Der Wirtschaftsminister sprach bei den Corona-Hilfen von einer engen und guten Zusammenarbeit mit den Ländern. "Ich habe den Ländern angeboten, dass sie für die Hilfen auch landeseigene Programmierungen vornehmen können, wenn wir so die Zahlungen schneller an den Mann und die Frau bringen können. Da hat sich bislang allerdings noch niemand gemeldet." Die Abschlagszahlungen über die Bundeskasse funktionierten für die Novemberhilfe gut und würden stark in Anspruch genommen. Die reguläre Auszahlung erfolge dann über die Länder.

Bei den November- und Dezemberhilfen bekommen Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb im Kampf gegen das Coronavirus schließen mussten, Umsatzausfälle erstattet. Bei der Überbrückungshilfe III erhalten Firmen Zuschüsse, damit betriebliche Fixkosten weiter gezahlt werden können.

Quelle: ntv.de, rpe/dpa