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So hüten Superreiche ihr Geld "Am Staatsanleihen-Markt gibt es eine gewaltige Blase"

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"Von hochspekulativen Ramschanleihen lassen wir die Finger."

REUTERS

HQ Trust ist ein Family Office - eine Firma, die das Geld sehr vermögender Familien anlegt. Chefinvestor Reinhard Panse erklärt, wie 2018 lief und was er 2019 tun will. Den Fokus legt er besonders auf Aktien. Denn: "Grund für Panik sehen wir nicht."

n-tv.de: Family Offices kümmern sich um das Vermögen von Multi-Millionären und Milliardären. Und das auf recht unterschiedliche Weise. Wie haben Sie sich aufgestellt?

Reinhard Panse: Vor 30 Jahren haben wir eine Firma gegründet, die so tut, als ob sie jemand ist, der 100 Millionen besitzt und das Geld so anlegt, dass dieses Vermögen nicht schwindet.

Zu Ihren Klienten gehören die Quandt-Schwestern. Die Quandts zählen zu den reichsten Familien Deutschlands. Ihr Vermögen soll im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Wie viel Geld muss eine Familie haben, damit Sie zu Ihnen kommen darf?

Mindestens zehn Millionen Euro.

Gibt es konkrete Wünsche der Familien?

Fast alle sind langfristig orientiert. In den Zielvorstellungen gibt es aber auch Unterschiede. Sie hängen von der Risikobereitschaft ab, und ob die Familie auf schnell verfügbare Mittel zurückgreifen muss. Manche investieren deshalb nur relativ wenig in nicht liquide Anlageformen.

Ist es schwieriger geworden, richtig anzulegen?

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Reinhard Panse.

Nein. Da hat sich nichts geändert. Vor drei Jahrzehnten hatten wir Umwälzungen wie den Fall der Mauer und den ersten Irak-Krieg. Die Volatilitäten, also sämtliche Marktschwankungen, sind langfristig ohnehin ausgesprochen niedrig.

Bei Aktien haben Sie 2018 stark auf Japan und Europa gesetzt. Hat sich das gelohnt?

2018 war das Jahr Amerikas, wobei der Markt zuletzt aber stark verloren hat. Japan war im internationalen Vergleich nicht schlecht. Wir bleiben bei unserem Kurs. Unser Aktienportfolio weiten wir - ohne regionale Differenzierung - sogar noch aus.

Ist das in der derzeitigen Phase nicht riskant?

Grund zur Panik sehen wir nicht. Viele Aktien in Europa, Japan und sogar den USA sind angemessen oder günstig bewertet. Die Ertragserwartungen für die nächsten zehn Jahre sind überdurchschnittlich. Solange die Kurse fallen, prüfen wir jeden Tag, ob ein Einstieg lohnt. Nur wenn Italien zum Problemfall werden würde, würden wir mit der Aufstockung der Aktienquoten warten. Bei den Schwellenländern bleiben wir vorsichtig.

Wie stehen Sie zu Fonds?

Wir investieren - gemessen am Gesamtvolumen - zu 30 Prozent in Private-Equity-Fonds sowie zu zehn Prozent in Kreditfonds. Hier gab es im vergangenen Jahr keine Ausfälle. Auf Eurobasis gerechnet, weisen sie immer noch Renditen von sechs bis sieben Prozent auf. Von hochspekulativen Ramschanleihen lassen wir die Finger.

Ist Gold noch als Investment zu empfehlen?

Angesichts weltweiter Inflationsgefahren sind wir erstaunt, dass Anleger Gold nicht so sehr interessiert. Wir sind hier relativ stark engagiert.

Und was halten Sie von Staatsanleihen?

Wenn Sie heute Frau Merkel Geld leihen, bekommen Sie weder Sicherheiten noch Zinsen. Lebensversicherer - und damit Sparer - werden faktisch gezwungen, langfristig in Staatsanleihen zu investieren, obwohl die Bonität miserabel ist. Es ist ein politischer Skandal, dass diese vollkommen absurde Anlageform erlaubt ist. Im besten Fall liegt die Realverzinsung im Euroraum bei minus 1,6 Prozent, bei amerikanischen Staatstiteln um die null.

Das heißt also, Hände weg von Staatsanleihen?

Wir haben im Moment praktisch keine. Es ist eine gewaltige Blase entstanden, die an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Damals griffen überschuldete Staaten wie die USA, Großbritannien und Italien zu den gleichen Mitteln: Sie lassen Geld drucken, verkaufen Staatsanleihen und halten die Zinsen gezielt unten.

Apropos Zinspolitik: Was passiert, wenn die USA Ihre Leitzinsen weiter anhebt und Europa bei null bleibt?

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios wird zunehmend geringer, weil wir bereits deutliche Bremsspuren der höheren Zinsen in der US-Wirtschaft sehen, etwa am Immobilienmarkt. Kürzlich hat ein großer US-Anbieter gewerblicher Immobilienfonds erklärt, keine neuen mehr auflegen zu wollen, weil die Zinsen schon so hoch und Investments in fremdfinanzierte Gebäude zu riskant seien. Sollte die Fed den Leitzins weiter anheben, wird die Rezessionsgefahr weltweit zunehmen. Aber damit rechnen wir nicht.

Warum nicht?

Weil die Fed gleich zu Beginn der Finanzkrise 2008 sehr klug agiert hat. Sie senkte die Zinsen konsequent, kaufte US-Staatsanleihen, druckte Geld und zwang die Banken zur Kapitalisierung. Im Gegensatz dazu hat die EZB gepennt. Die Bundesbank hat damals alles verzögert und verhindert. Die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kapiert so etwas leider nicht. Europa hat Jahre verloren, weil die EZB erst 2012 die Notenpresse angeworfen hat.

Und was wird, wenn US-Präsident Donald Trump die Fed unter Zugzwang bringt?

Schon jetzt zeichnet sich wegen der Steuerreform ab, dass das US-Defizit gefährliche Ausmaße erreicht. Wenn Trump seine Wahlchancen dadurch zu erhöhen versucht, dass er 2020 die Konjunktur weiter anheizt, wird es schwierig für die Notenbank, weil die Inflation stark steigen könnte.

Welche geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank prognostizieren Sie?

Der Handlungsspielraum der EZB ist marginal. Die Schuldenstände der Eurostaaten sind zu hoch, dass sie wesentlich höhere Zinsen verkraften könnten. Obendrein sind die Strukturprobleme nicht gelöst. Die italienische Regierung hat nachgegeben. Die EU kann nun - wie immer in solchen Krisen - so tun, als ob alles in Ordnung wäre.

Mit Reinhard Panse sprach Thomas Schmoll

Quelle: n-tv.de

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