Wirtschaft

Rückgang trotz Wohnungsnot Ämter genehmigen weniger Wohnungsbau

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Nur bei Einfamilienhäusern steigt die Zahl der Baugenehmigungen.

(Foto: dpa)

Erklärtes Ziel von Politik und Wirtschaft ist es, den Wohnungsbau in Deutschland anzukurbeln. Doch die Zahl der Baugenehmigungen sinkt immer weiter. Dennoch liegt - anders als die Immobilienbranche behauptet - die Hauptverantwortung für die Wohnungsnot bei der Bürokratie.

Trotz der großen Nachfrage nach Immobilien sind in den ersten fünf Monaten 2019 erneut weniger Wohnungen bewilligt worden. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gab es von Januar bis Mai für den Bau von 136.257 Wohnungen in Deutschland grünes Licht. Das sind 2,4 Prozent oder 3329 Genehmigungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Statistik umfasst Genehmigungen sowohl für Neubauten als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden. Bereits im ersten Quartal war die Zahl der Bewilligungen etwas zurückgegangen.

Die Immobilienwirtschaft forderte angesichts der zurückgehenden Zahl von Baugenehmigungen von Politik und Verwaltung "handfeste Maßnahmen", um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die neuen Zahlen zeigten, dass "bürokratische Stolpersteine" abgebaut und "die Digitalisierung in den Bauämtern vorangetrieben werden" müsse, sagte Klaus-Peter Hesse, Sprecher der Geschäftsführung beim Zentralen Immobilien Ausschuss, dem Spitzenverband der Branche. "Sämtliche Prozesse rund um die Grundstücksvergabe, die Baulandausweisung und die Baugenehmigungs- und Planungsverfahren" müssten vereinfacht werden.

Hunderttausende Genehmigungen ungenutzt

Die Statistiker verzeichneten bei nahezu allen Wohngebäudearten Rückgänge: Weniger Baugenehmigungen wurden demnach für Zweifamilienhäuser (minus 4,0 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (minus 4,1 Prozent) erteilt. Auch die Bewilligungen für Wohnungen in Wohnheimen schrumpften (minus 21,8 Prozent). Lediglich für Einfamilienhäuser stellten die Behörden mehr Genehmigungen aus. Für diese Bauvorhaben stieg die Zahl der genehmigten Anträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent auf 37.152. Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen.

Anders als von der Bau- und Immobilienwirtschaft beklagt, sind die Genehmigungsverfahren allerdings nicht der entscheidende Flaschenhals für den Wohnungsbau. So wurde im vergangenen Jahr der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen in reinen Wohngebäuden genehmigt. Inklusive Nichtwohngebäuden gab es im Jahr 2018 gut 347.000 Genehmigungen, im Jahr davor nur geringfügig weniger. Allerdings wurden 2018 nur 285.900 Wohnungen gebaut und den Vorjahren teils deutlich weniger. Der sogenannte Bauüberhang - die Zahl der genehmigten, aber nie gebauten Wohnungen - hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Manche Experten vermuten Spekulation mit Grundstücken als einen Grund hinter der mangelnden Bautätigkeit. Gebremst wird Neubau auch dadurch, die Preise deutlich angezogen haben und Handwerker wegen voller Auftragsbücher kaum hinterherkommen.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa

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