Wirtschaft

Automobilmesse IAA in Frankfurt Angst geht um im Autoland

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Die Hersteller trommeln auf der IAA für ihre neuen E-Autos - so wie Smart.

(Foto: REUTERS)

So viel Gegenwind war selten. Zum Start der kultigen Automobilmesse IAA steht die Autobranche gehörig unter Druck. Die Zukunftsaussichten der wichtigsten deutschen Industrie sind düster.

Partylaune? Von wegen! Über viele Jahre lang hat sich die Autobranche - vor allem die deutsche - bei ihrer alle zwei Jahre stattfindenden PS-Parade, der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, gefeiert. In diesem Jahr ist alles anders. Die Zeit der millionenteuren Partys, auf denen sich die Autobosse für ihre Erfolge und Neuheiten applaudieren ließen, ist vorüber. Stattdessen: Krisengespräche und die Suche nach Lösungen für drängende Probleme. Die Liste der Unwägbarkeiten und Ängste war noch nie so lang.

Sorge Nummer 1: die Konjunktur und politische Unsicherheit

Das zurückgehende Wirtschaftswachstum in dem für die deutschen Hersteller so wichtigen Absatzmarkt China, der seit Monaten angekündigte EU-Austritt Großbritanniens und die noch immer drohenden US-Strafzölle für europäische Autohersteller treiben den Bossen die Sorgenfalten in die Stirn - vor allem den deutschen. Die heimischen Hersteller punkten im Ausland vor allem mit ihren teuren und margenträchtigen Premium-Varianten. Kommt der Export unter Druck, leiden sie besonders. Und damit die gesamte deutsche Wirtschaft. 1,8 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt an der Autoindustrie. Werden weniger Autos verkauft, stehen Hunderttausende Stellen auf dem Spiel.

Sorge Nummer 2: der technologische Wandel

Der Ideenreichtum ihrer Ingenieure katapultierte die deutschen Autobauer an die Weltspitze. Effiziente und leistungsstarke Motoren, intelligente Allradantriebe und neue Werkstoffe für den Karosseriebau bescherten Autos aus Deutschland hohes Ansehen. Seit den Abgasmanipulationen aber wirken selbst moderne Dieselantriebe wie eine Reminiszenz an frühere Zeiten. Jetzt scheinen Elektroantriebe und autonom fahrende Autos en vogue - und verschlingen Milliarden an Entwicklungskosten.

Das Bizarre: E-Autos sind mit deutlich weniger Bauteilen ausgestattet und liefern den Herstellern nur noch eine geringere Marge. Der Gewinn pro Fahrzeug sinkt. Außerdem wird Car-Sharing immer beliebter. Ein eigenes Auto wird für immer mehr Fahrer immer irrelevanter. Vor allem für junge Menschen taugt ein eigenes Auto nicht mehr als Statussymbol.

Sorge Nummer 3: die Klima-Kritik

Während die auf Hochglanz polierten Karossen lange Zeit die öffentliche Diskussion bestimmten, hagelt es inzwischen immer lauter Proteste von Klima-Aktivisten. Lautstarke Proteste kündigen sich an. Statt wie eh und je auf werbewirksame Hostessen zu vertrauen, engagieren die Hersteller in diesem Jahr Heerscharen an Sicherheitskräften. VW-Chef Herbert Diess zeigt sich besonders mutig: Er lieferte sich am Vorabend des Messeauftakts mit der Anti-Auto-Aktivistin Tina Velo ein viel beachtetes Streitgespräch.

Disruptive Zeiten in Deutschlands Vorzeigebranche. Die Ära des Verbrennungsmotors als einzig seligmachende Mobilität ist vorbei. Nie war es seit Erfindung von Otto- und Dieselmotor wichtiger, sich auf die Tugenden aus den Gründerjahren zu besinnen - Innovationsfreude, Mut und Marktinstinkt.

Quelle: n-tv.de

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