Wirtschaft

Umsatz sinkt, kein Gewinn Anleger strafen Telefonica Deutschland ab

Tarif O2-Free

O2 ist nach Kundenzahl Marktführer in Deutschland.

(Foto: dpa)

Mit Telefonica Deutschland legt der erste große Mobilfunker hierzulande seine Quartalszahlen vor. Am Markt kommen sie nicht an. Zu viele Baustellen lassen sich darin erkennen. Dennoch ist der Vorstand zuversichtlich.

Zum Wochenschluss ist der Aktienkurs von Telefonica Deutschland abgesackt. Die Titel gingen mit einem Abschlag von mehr als 7 Prozent aus dem Handel. Telefonica Deutschland waren damit der größte Verlierer im TecDax. Der Techwerte-Index litt auch unter Verlusten. Das Mobilfunkunternehmen hatte mit seinen Geschäftszahlen enttäuscht.

Telefonica Deutschland verlor eigenen Angaben zufolge im Kerngeschäft Mobilfunkdienstleistungen auch zum Jahresstart Umsatz - obwohl die Kundenzahlen gestiegen sind. Allerdings geht ein Großteil des Rückgangs auf regulatorische Effekte zurück. Operativ gelang mit Hilfe von Kostensenkungen ein leichtes Wachstum, das von Beobachtern allerdings deutlicher erwartet worden war.

Immer mehr LTE-Kunden

Das Unternehmen mit den Marken O2, Blau und Base verbuchte im Geschäft mit reinen Mobilfunkdiensten einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, 3,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist. 35 von 44 Millionen Euro dieses Rückgangs seien auf gekürzte Terminierungsentgelte und die europäische Roaming-Verordnung zurückzuführen. Rechne man sie heraus, sei der Umsatz nur um 0,6 Prozent gefallen, sagte der neue Vorstandschef Markus Haas in einer Telefonkonferenz. Die Einnahmen im Kerngeschäft abseits der Regulierung stabilisierten sich also langsam.

Für die Zukunft setzt Haas auf steigende Datenumsätze. Die Zahl der LTE-Kunden habe sich zum Vorquartal um 16 Prozent und zum Vorjahr um 60 Prozent erhöht. Und das Wachstum werde sich fortsetzen: "Ich bin überzeugt, dass wir bei der Entwicklung das Schönste noch vor uns haben", sagte Haas.

Jetzt komme es darauf an, "die erhöhte Datennutzung zu monetarisieren". Um das Kundenerlebnis zu verbessern, arbeite Telefonica Deutschland mit Hochdruck an der Konsolidierung seiner Netze. Bis zum Jahresende werde dieser Prozess abgeschlossen sein, sagte der Konzernchef. Um die Kunden zu binden, bietet die Marke O2 Tarife mit unlimitierter Datennutzung für einen beschränkten Preisaufschlag an. Das Angebot wird nach Haas' Angaben gut genutzt.

Rückläufig entwickeln sich derzeit allerdings auch die anderen Umsatzquellen - so sank der Festnetzumsatz um 11,9 Prozent und der Umsatz mit Mobilfunk-Hardware um 5,4 Prozent. Smartphones würden generell später ausgetauscht, erläuterte Haas die Entwicklung.

Fehlbetrag trotz Verbesserung

Bei den Kunden verzeichnet Telefonica Deutschland steigende Zahlen. Insgesamt stieg der Bestand um 2,7 Prozent auf 49,5 Millionen, wobei dafür ursächlich das Wachstum der Mobilfunkkunden um 3,9 Prozent war. Allerdings sank der durchschnittliche Erlös pro Kunde im Mobilfunkgeschäft um 6,7 Prozent auf 9,60 Euro. Verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum zahlte jeder Kunde damit einen halben Euro weniger im Monat.

Der Gesamtumsatz sank um 4,7 Prozent auf 1,771 Millionen Euro. 6,6 Prozent rückläufige Aufwendungen und Synergien von 35 Millionen Euro aus der Fusion von O2 und E-Plus halfen, das betriebliche Ergebnis vor Abschreibungen (OIBDA) um 3 Prozent auf 390 Millionen Euro zu steigern. Doch auch hier hätten sich gekürzte Roaming-Gebühren und gesenkte Terminierungsentgelte mit etwa 10 Millionen Euro negativ niedergeschlagen, erklärte Haas. Nach Abschreibungen von 481 Millionen Euro blieb unter dem Strich ein Fehlbetrag von 99 Millionen Euro - immerhin eine Verbesserung um 70 Millionen gegenüber dem Vorjahr.

Ein Händler wertete an den Zahlen positiv, dass das Unternehmen seine Prognose bestätigt habe. Die sieht unter anderem ein unverändertes bis leicht steigendes OIBDA im Gesamtjahr vor. Hier hätten die Beobachter aktuell auf einen leichten Rückgang getippt. Die Aktie stützt das nicht. Sie notiert in einem etwas leichteren Gesamtmarkt am Vormittag mit 6,6 Prozent im Minus.

Telefonica Deutschland ist der erste große Telekomanbieter hierzulande, der seine Quartalszahlen vorlegte. Die Deutsche Telekom wird dies am kommenden Donnerstag tun, der Vodafone-Konzern folgt am 16. Mai.

Quelle: ntv.de, bad/DJ

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