Wirtschaft

"Alles Schrott" - aber besser Anleger zwischen Zuversicht und Vorsicht

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Am deutschen Aktienmakrt treten die Käufer wieder einen Schritt zurück.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Seit Wochenbeginn haben die Aktienmärkte eine beeindruckende Erholung an den Tag gelegt. Wohl etwas zu rasant, wie ein Marktteilnehmer meint. Daten der weltweiten Gesundheitsbehörden geben mitnichten Hinweise auf eine Entspannung in der Corona-Krise.

Nach den überraschend deutlichen Aufschlägen am Vortag und vor allem der Hausse zu Wochenbeginn haben den europäischen Aktienmärkte die Verkäufer den Ton angegeben. Marktteilnehmer sprachen von einem dünnen Geschäft aufgrund Christi Himmelfahrt in Deutschland. Viele Teilnehmer nutzen den Feiertag, an dem in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und der Schweiz nicht gehandelt wurde, für ein langes Wochenende. Am Montag folgen zudem in den USA und in Großbritannien Feiertage.

Dax
Dax 11.586,85

Am Ende schloss der deutsche Leitindex Dax 1,4 Prozent leichter bei 11.066 Punkten. Nebenwerte-Index MDax hielt sich mit einem Minus von nur 0,3 Prozent beinahe schadlos. Der TecDax sank um 1,2 Prozent bei 3069 Stellen. Der Euro-Stoxx-50 schloss 1,3 Prozent niedriger bei 2905 Punkten. "Auch wenn wir ziemlich robuste europäische Märkte gesehen haben, besteht immer noch Vorsicht", sagte Michael Hewson, Marktanalyst beim Brokerhaus CMC.

"Die Daten sind Schrott" - aber besser

Als belastend wurden Aussagen des Direktors der US-Gesundheitsbehörde eingestuft, der vor einer weiteren Infektionswelle im Herbst warnte. Zudem hatte US-Präsident Trump einmal mehr China in Sachen Corona attackiert, was der bereits angekratzten Beziehung der beiden Weltmächte nicht dienlich ist. Auch die jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation trugen nicht zur Beruhigung bei. Die WHO meldete zuletzt mit 106.000 Fällen eine neue weltweite Rekordzahl täglicher Neuinfektionen.

Besser als erwartet ausgefallene Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich und Deutschland stützten am Vormittag nur kurz. In beiden Ländern sind sowohl die Indizes für das verarbeitende wie das dienstleistende Gewerbe klar besser als erwartet ausgefallen. Sie liegen aber weiter deutlich unter der Wachstumsschwelle. "Die Eurozone verzeichnete auch im Mai einen Kollaps der Wirtschaftsleistung, wenngleich die Umfrage-Ergebnisse ermutigende Hinweise dafür liefern, dass der Tiefpunkt wohl hinter uns liegt", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Hewson. "Die Daten sind immer noch Schrott, sie sind nur nicht mehr ganz so schlecht wie im April."

Auch in den USA belegt der Konjunkturindikator, dass das Tief zunächst im April gesehen wurde, per Mai ging es bereits wieder leicht nach oben. Vom Arbeitsmarkt kamen erneut verheerende Signale, auch wenn die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe geringer ausfielen als zuletzt.

Die Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung stützte den Ölpreis, der sich zeitweise auf den höchsten Stand seit März verteuerte. Die Gewinne schmolzen anschließend aber ab. Leichtes US-Öl kostete mit 33,65 Dollar noch 0,7 Prozent mehr als am Mittwoch, Nordseeöl der Sorte Brent stieg um 0,8 Prozent auf 36,33 Dollar. Zuletzt waren die Lagerbestände in den USA wieder zurückgegangen.

Lufthansa mit neuer Hoffnung

Lufthansa gewannen gegen den Markt 2,7 Prozent, nachdem die Fluglinie bestätigt hatte, dass eine Einigung auf ein Rettungspaket mit der Bundesregierung fast erreicht ist. "Es ist höchste Zeit, dass der politische Poker in Berlin ein Ende findet", kommentierte Daniel Röska, Branchenanalyst von Bernstein Research, den Zwischenstand der Verhandlungen. Das Paket wird seit längerem erwartet und an der Börse als positiv weil alternativlos angesichts der dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie gewertet.

Nach Geschäftszahlen verloren Generali drei Prozent. Das operative Ergebnis ist im ersten Quartal zwar etwas über der Schätzung des italienischen Analysehauses Equita ausgefallen. Das Nettoergebnis blieb aber klar unter der Schätzung. Das dürfte vor allem an Wertberichtigungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie stehen.

Fast täglich gibt es momentan Nachrichten über mögliche Coronavirus-Impfstoffe. Nun will die US-Regierung bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar an den britischen Pharmakonzern Astrazeneca (plus 0,9 Prozent) zahlen, um sich die Belieferung mit einem möglichen Coronavirus-Impfstoff zu sichern, der bereits Anfang Oktober verfügbar sein könnte. Während die Kapazitäten für die Produktion vorhanden seien, müsse der Impfstoff nun noch wirken, hieß es von den Analysten der UBS.

In London brachen die Aktien der Hotelkette Whitbread um 13,4 Prozent ein. Der Eigentümer von "Premier-Inn"-Hotels nahm 1,01 Milliarden Pfund am Markt auf, um seine Finanzen in der Coronakrise zu stärken.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ