Wirtschaft

Investoren sind euphorisch Apple kann mehr als nur iPhone

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In diesem Apfel steckt noch mehr drin.

(Foto: REUTERS)

Die jüngsten Zahlen beweisen: Apple bleibt gut für Überraschungen. Anleger honorieren das. Auch, weil im Konzern noch mehr Wachstumspotenzial steckt. Wird der iPhone-Hersteller das erste Billionenunternehmen an der Börse?

Die Apple-Aktie hat einen kräftigen Kurssprung verbucht. Sie liegt nur noch etwa vier Prozent unter ihrem Rekordhoch. Schub geben die Zahlen fürs zweite Quartal. Hier stieg der iPhone-Absatz im Vergleich zum Vorjahr zwar "nur" im Rahmen der Analystenerwartungen um 2,8 Prozent auf 52,5 Millionen.

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Weil Kunden aber kräftig beim hochpreisigen iPhone X zugriffen, kletterte der iPhone-Umsatz um 14,4 Prozent auf 38 Milliarden Dollar. Für Erleichterung bei Investoren sorgte zudem, dass der Konzernumsatz um 16 Prozent auf rund 61 Milliarden Dollar stieg und damit auf einen neuen Rekord für ein März-Quartal - und zwar, weil Apple über etliche starke Wachstumstreiber verfügt.

Der wichtigste ist dabei das Service-Geschäft. Hier schoss der Umsatz völlig überraschend um 31 Prozent auf den Rekordwert von 9,2 Milliarden Dollar nach oben. Zu der Service-Sparte gehört neben dem App Store auch Apple Music, das iCloud-Geschäft und das Bezahlsystem Apple Pay.

"Dieser Rekordumsatz ist ein starker Beleg für die Wichtigkeit unserer riesigen installierten Basis an Geräten und der Loyalität unserer Kunden", sagte Vorstandschef Tim Cook auf der Analystenkonferenz. Es gebe mittlerweile mehr als 270 Millionen zahlende Kunden im Service-Geschäft. "Das ist ein Anstieg um mehr als 100 Millionen im Jahresvergleich und um 30 Millionen allein in den vergangenen 90 Tagen", betonte der Firmenlenker.

Brasilien zahlt mit Apple

Im März hatten Peking und Shanghai zudem Apple Pay für ihren öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) eingeführt. Auch das ist als Erfolg zu bewerten. Es handelt sich hierbei um das zweit- und drittgrößte Nahverkehrsnetz weltweit.

In Tokio, das über das größte Personennahverkehrsnetz weltweit verfügt, war Apple Pay bereits schon vorher im Einsatz. Apple Pay ist mittlerweile fast vier Jahre alt. Mit China, Russland und Brasilien sei der Bezahldienst nunmehr in 21 Märkten verfügbar, sagte Cook. "Später in diesem Jahr" sollen laut Cook noch Norwegen, Polen und die Ukraine hinzukommen.

"Der App Store hat im vergangenen Quartal einen Umsatzrekord erzielt und Apple Music hat einen Rekord bei Umsatz und zahlenden Usern erreicht, wobei nun die Marke von 40 Millionen überschritten worden ist", fügte Finanzchef Luca Maestri hinzu. Der Umsatz im Cloud-Geschäft sei um mehr als 50 Prozent auf einen neuen Spitzenwert nach oben geschossen.

Das rasante Wachstum im Service-Bereich macht mittlerweile einen Anteil an den Konzernerlösen von 15 Prozent aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 13,3 Prozent. Viele Analysten und Investoren sind zuversichtlich, dass die Bedeutung des Bereichs in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Verkauft Apple weiterhin mehr als 200 Millionen iPhones und zig Millionen von iPads und Macs jährlich, dürfte sich die zunehmende Nutzerzahl auch im Bereich Services positiv niederschlagen.

Abhängigkeit vom iPhone schrumpft

Neben der Service-Sparte überzeugte auch der Bereich "Andere Produkte" mit einem Umsatzplus von 38 Prozent auf 3,95 Milliarden Dollar. Zu diesem Bereich gehören die Apple Watch, die AirPods-Kopfhörer und der Sprachassistent HomePod. Laut Cook verbuchte allein die Apple Watch im vergangenem Quartal ein "starkes prozentual zweistelliges" Umsatzwachstum und erreichte damit einen neuen Spitzenwert bei den Erlösen.

Trotz des kräftigen Wachstums im Service-Bereich und bei "Anderen Produkten" kann Apple die Abhängigkeit vom iPhone-Geschäft nur nach und nach reduzieren. Das Geschäft mit Mac-Rechnern und iPads schwächelt. Daher steuerte die iPhone-Sparte im vergangenen Quartal 62,2 Prozent der Konzernerlöse bei, gegenüber 62,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dennoch sorgt die Umsatzverschiebung für deutliche Zuversicht bei Investoren.

Aktienrückkaufprogramm und Dividendenerhöhung

Erleichtert reagierten die Anleger auch auf den Ausblick auf das laufende Quartal. Der Umsatz soll 51,5 bis 53,5 Milliarden Dollar erreichen. Das liegt über der vorherigen Prognose der Analysten von 51,4 Milliarden. Überzeugt hat Investoren zudem, dass der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm von 100 Milliarden Dollar auflegt. "Wegen der starken Zuversicht in Apples Zukunft und dem Wert unserer Aktie haben wir ein neues Aktienrückkaufprogramm von 100 Milliarden Dollar beschlossen, mit dessen Umsetzung wir im Juni-Quartal beginnen wollen", kündigte Maestri an. Das derzeitige Programm wird derweil im laufenden Quartal und damit drei Quartale früher als ursprünglich geplant beendet.

"Zudem erhöhen wir unsere Dividende zum sechsten Mal in weniger als sechs Jahren", so der Finanzchef weiter. "Die Quartalsdividende steigt von 0,63 auf 0,73 Dollar, das ist ein Plus von 16 Prozent." Damit belaufe sich die Dividendensumme auf rund 13 Milliarden Dollar jährlich. Mit dem Aktienrückkaufprogramm und der Ausschüttung lässt Apple Investoren an der US-Steuerreform teilhaben. Der Konzern verfügte zuletzt über einen Netto-Cashbestand von stattlichen 145 Milliarden Dollar.

Wegen dieser guten Nachrichten sehen viele Anleger darüber hinweg, dass Apples Vorräte im vergangenen Quartal auf den Rekord von 7,7 Milliarden Dollar nach oben geschossen sind, gegenüber 2,91 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das deutet daraufhin, dass der Konzern wohl noch sehr viele iPhones auf Lager hat.

Durch den Kurssprung klettert der Börsenwert von Apple auf 860,1 Milliarden Dollar. Sollte die gute Stimmung der Investoren in den nächsten Monaten anhalten, könnte der iPhone-Hersteller das erste Unternehmen mit einem Börsenwert von einer Billion Dollar werden.

Quelle: n-tv.de

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