Wirtschaft

Suche nach neuen Investments Auch Kunst hat es Kleinanlegern angetan

232907345.jpg

Anders als bei Aktien oder Anleihen, deren Preise an der Börse für jeden sichtbar sind, ist die Wertermittlung von Gemälden oder Sammlerobjekten schwierig.

(Foto: picture alliance / empics)

Nach dem Hype um Börsen-Apps wie Robinhood gehen Online-Plattformen für Kunst-Investments einen Schritt weiter: Für kleines Geld können sich Anleger etwa an Kunstwerken oder Oldtimern beteiligen. Ein Werk des Straßenkünstlers Banksy etwas sei "wie eine heiße Technologie-Aktie", erklärt ein Anlagestratege.

Bislang waren Kunstwerke oder Oldtimer als Investition meist nur etwas für Superreiche. Mithilfe neuer Online-Plattformen mischen Kleinanleger inzwischen aber auch hier kräftig mit. Als Anlageobjekt dienen dabei nicht nur Gemälde von Picasso oder Auto-Klassiker von Ferrari, sondern auch eher ungewöhnliche und vergleichsweise günstige Sammlerstücke. Wem auch 200.000 Dollar für eine "Birkin"-Handtasche des französischen Luxusgüter-Anbieters Hermes oder 150.000 Dollar für eine Sammelkarte des Nintendo-Computerspiels "Pokemon" zu viel sind, kann sich über die Plattform Otis für einen Bruchteil der Kosten an derartigen Dingen beteiligen.

Das Unternehmen kauft alle möglichen Sammlerstücke wie handsignierte Trikots des verunglückten Basketball-Stars Kobe Bryant und verbrieft diese. Das heißt, Investoren erhalten einen Anteil an diesen Objekten und können diese handeln. So bot Otis seinen Kunden im vergangenen Jahr für je 20 Dollar Anteile an einem Werk des Straßenkünstlers Banksy an. Dem Unternehmen zufolge waren sie im vergangenen Monat 34 Dollar wert, ein Plus von 70 Prozent. Der Gesamtwert des Kunstwerks liege damit bei 722.000 Dollar. Den größten Kurszuwachs habe ein Satz Basketball-Sammelkarten des Herstellers Fleer aus dem Jahr 1986 erzielt, fügt Otis-Gründer Michael Karnjanaprakorn hinzu. Binnen zwei Monaten seien die Anteile daran von zehn auf mehr als 40 Dollar gestiegen. Unabhängig überprüfbar sind diese Angaben nicht.

Mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Otis arbeitet Rally. Die Plattform verdoppelt nach Aussagen ihres Chefs George Leimer die Nutzerzahl alle 30 Tage und zählt bereits mehrere Hunderttausend Kunden. Er verglich den Boom mit demjenigen bei Börsen-Apps wie Robinhood, die bei den Kurskapriolen um die Aktien des US-Videospielehändlers GameStop eine entscheidende Rolle spielen. Anders als am Aktienmarkt strichen Investoren aber nur selten horrende Gewinne ein, betont Rally-Chef Leimer. Die Quote liege "im niedrigen einstelligen Prozentbereich".

Besser nicht Altersvorsorge darin investieren

John-Paul Smith, ein ehemaliger Anlagestratege der Deutschen Bank, der in nordenglische Kunst investiert, sieht dagegen kaum Unterschiede zum Hype um Gamestop, Bitcoin & Co. "Banksy ist wie eine heiße Technologieaktie. Die Psychologie ist in jedem Markt ähnlich." Anders als bei Aktien oder Anleihen, deren Preise an der Börse für jeden sichtbar sind, ist die Wertermittlung von Gemälden oder Sammlerobjekten allerdings schwierig. Zum einen haben sie kaum Gemeinsamkeiten und sind meist nur bei gelegentlichen Auktionen handelbar.

Grundsätzlich sei der Kauf sogenannter Alternativer Investments derzeit "weniger töricht" als in den gesamten vergangen 30 Jahren, in denen er die Börsen verfolge, fügt Smith hinzu. Aktien seien teuer und die billionenschweren Konjunkturpakete von Staaten und Notenbanken würden irgendwann einmal zu Inflation führen. In jedem Fall sollten Anleger vorsichtig sein, warnt der Experte. "Ich würde niemandem raten, seine Alterversorgung darin zu investieren."

Quelle: ntv.de, jki/rts

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.