Wirtschaft

ABL-Verband bremst Optimismus Ausländische Hilfskräfte stoppen Flug-Chaos nicht

295118414.jpg

Die Luftfahrt steckt in einem Dilemma.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zur Bewältigung des Abfertigungschaos wollen die deutschen Flughäfen und ihre Bodendienstleister tausende ausländische Aushilfen für drei Monate direkt anstellen. Doch für das boomende Sommergeschäft können die Hilfskräfte mancherorts zu spät kommen.

Ausländische Hilfskräfte können den Personalmangel und das Flugchaos an deutschen Airports nach Einschätzung der Bodendienste wohl nur vorübergehend abmildern. "Wir begrüßen die Hilfe der Politik", sagte Thomas Richter, der Chef des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL). "Es löst nicht das Problem, aber es hilft mit Sicherheit." Innen-, Arbeits- und Verkehrsministerium hatten am Wochenende eine Aktion zur befristeten Anstellung ausländischer Hilfskräfte angekündigt. Bis zu 2000 Beschäftigte könnten voraussichtlich ab August für drei Monate an den Flughäfen zum Einsatz kommen. "Eine Befristung von maximal sechs Monaten bis Jahresende wäre schön gewesen", sagte Richter.

Die Luftfahrt steckt in einem Dilemma. Mit Abebben der Corona-Pandemie will die Branche endlich wieder durchstarten und hatte sogar das Vorkrisenniveau im Blick. Stattdessen kommt es zu Flugstreichungen, Verspätungen und Warteschlangen. Als Knackpunkt gelten Personalmangel und Engpässe bei Sicherheitskontrollen, Check-in und Flugzeugabfertigung. Laut Flughafenverband ADV ist dort etwa jede fünfte Stelle unbesetzt. Verschiedene Verbände wollen rund 2000 Leiharbeiter aus der Türkei holen, um Personallücken zu füllen.

Die Details müssen noch geklärt werden. "Die 100-prozentige Ausgestaltung kennen wir noch nicht", sagte Richter. In den nächsten Tagen sollen die Flughäfen ihren genauen Bedarf anmelden. Richter rechnet mit 1000 bis 2000 Menschen. Die Hilfskräfte würden dann befristet bei den jeweiligen Bodendienstleistern zu Tariflöhnen angestellt und etwa bei der Gepäckabfertigung, den Sicherheitskontrollen oder im Check-in einspringen. Die Firmen stellen laut ABL auch die Unterkünfte.

"Europäischer Markt beim Personal einfach abgegrast"

Doch zunächst müssen die Personen noch einen Sicherheitscheck unterlaufen. "Wahrscheinlich brauchen wir den Juli für die sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfung", sagte Richter. Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern mit dem späten Ferienbeginn Ende Juli/Anfang August hätten deshalb wohl mehr von der Aktion. "Für Nordrhein-Westfalen wird es eng". Dort haben vergangenes Wochenende bereits die Sommerferien begonnen - und prompt am Flughafen Düsseldorf erneut zu langen Warteschlangen und Problemen bei der Gepäckbeförderung geführt.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte, es gebe bei der Sicherheit keine Abstriche. ABL-Chef Richter erklärte, es gehe nicht darum, den Sicherheitscheck zu vereinfachen, sondern nur zu beschleunigen. Auch eine Sprecherin des Flughafen-Verbands ADV sagte, es sei das Ziel, auf möglichst schnellem Weg sicher Personal einzusetzen.

Für das boomende Sommergeschäft könnten die Hilfskräfte mancherorts zu spät kommen. Bodendienst-Lobbyist Richter sagte, die zusätzlichen Beschäftigten könnten die Lage im August, September und Oktober verbessern. "Nach hinten raus hilft das und bringt Stabilität in die Prozessabläufe an den Flughäfen." Der Blick in die Zukunft sei allerdings eher ernüchternd. Viele Beschäftigte hätten in der Corona-Krise der Branche den Rücken gekehrt. "Der europäische Markt ist beim Personal einfach abgegrast."

Quelle: ntv.de, jki/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen