Wirtschaft
Der chinesische Hersteller CATL will in Thüringen eine Batteriezellen-Fabrik für Elektroautos bauen.
Der chinesische Hersteller CATL will in Thüringen eine Batteriezellen-Fabrik für Elektroautos bauen.(Foto: picture alliance/dpa)
Dienstag, 10. Juli 2018

Entwicklung von Batteriezellen: "Autobauer scheuen hohe Investitionen"

Der Markt für E-Autos wächst. Auch deswegen wird die Fertigung von Batteriezellen immer wichtiger. Bislang dominieren Hersteller aus Asien den Markt. Wie deutsche Unternehmen den Vorsprung aufholen können, erklärt Martin Gornig vom DIW im Interview mit n-tv.de

n-tv.de: Wieso stellen deutsche Autobauer oder Zulieferer selbst keine Batteriezellen her?

Martin Gornig: Die Herstellung von Batteriezellen entspricht nicht dem klassischen Geschäft von Autobauern. Für viele Unternehmen ist die Fertigung von Batterien ein echter Technologiesprung. Das Geschäftsfeld ist mit hohen Investitionen verbunden. Davor haben die deutschen Autobauer eine große Scheu. Ihnen ist die Fertigung zu teuer und zu riskant.

Der chinesische Marktführer CATL baut in Thüringen jetzt eine neue Batteriezellen-Fabrik für deutsche E-Autos. Sind chinesische Unternehmer risikofreudiger?

Ja, offensichtlich sind die Chinesen eher bereit, Risiken einzugehen. Gleichzeitig haben sie aber auch die Erfahrung gemacht, dass sie aufgrund enormer Skalenerträge auch Märkte schaffen können. Je größer die Hersteller in der Produktion am Ende selber sind, desto eher können sie eigene Standards setzen und am Ende das wirtschaftliche Risiko ihrer Technologie reduzieren.

Martin Gornig arbeitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in der Abteilung Unternehmen und Märkte.
Martin Gornig arbeitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in der Abteilung Unternehmen und Märkte.

Was versprechen sich die Chinesen von einer Fabrik in Deutschland?

Der chinesische Batteriekonzern CATL hat erkannt, dass Deutschland den größten Auftrags- und Absatzmarkt für Batteriezellen hat. Führende Autobauer sind hierzulande zu Hause, und anscheinend sind die Chinesen davon überzeugt, dass BMW und Co. am ehesten mit der Transformation im Automobilsektor zurechtkommen.

Hohe Stromkosten gelten in Deutschland als Hindernis in der Batteriezellenproduktion. Wieso schreckt das CATL nicht ab?

Wenn eine Fabrik in Deutschland entsteht und ein Unternehmen hier produzieren will, muss es die entsprechenden Kosten tragen. Zumindest bei dem chinesischen Hersteller CATL überwiegt die Nähe zum Abnehmer die etwaigen höheren Stromkosten.

Macht sich Deutschland mit dem Bau der Fabrik abhängig von chinesischen Zulieferern?

Die Abhängigkeit ist nicht einseitig. Sie beruht auf Gegenseitigkeit. Große Hersteller sind immer auf eine gegenseitige Abhängigkeit angewiesen. Eigentlich sind der chinesische Batteriezellenhersteller und die deutschen Autobauer vielmehr eine Schicksalsgemeinschaft. Der Zulieferer ist abhängig davon, dass der Produzent erfolgreich ist und umgekehrt. Dementsprechend haben beide dasselbe Ziel. Der Bau der Fabrik ändert an den Abhängigkeitsverhältnissen deswegen zunächst nichts.

Asiatische Konzerne gelten bei der Fertigung als führend. Wie gefährlich kann es werden, solche Schlüsselindustrien aufzugeben?

Das ist immer eine Frage der Abwägung. Eine Schlüsselindustrie ist oft auch mit hohen Risiken verbunden. Sollte es bei der Produktion zu Problemen kommen, können schnell hohe Kosten entstehen. Die wesentlichen Kosten und die Verantwortung dafür, dass Batteriezellen eine erfolgreiche Speichertechnologie werden, übernehmen jetzt die Chinesen. Tatsächlich werden mit der Fabrik in Thüringen letztendlich der Ertrag und das Risiko ausgelagert. Gleichzeitig wird ein Großteil der Wertschöpfung in Deutschland erzeugt, denn die Batterie wird ja nicht in China produziert und importiert, sondern hier vor Ort im Technologieverbund mit den deutschen Unternehmen.

Können deutsche Autobauer den technischen Vorsprung der Asiaten bei Batteriezellen noch einholen?

Ja, das sollte schon noch möglich sein. Es wäre aber sicherlich hilfreich, wenn die deutschen Autobauer in Zukunft zusammenarbeiten würden. Denn eine Entwicklung von Batteriezellen im Verbund könnte sowohl das Risiko der Vermarktung als auch der technologischen Entwicklung senken.

Wären staatliche Subventionen für deutsche Firmen ein Anreiz für eine eigene Batterieproduktion?

Aus meiner Sicht verzichten deutsche Unternehmen nicht wegen der zu hohen kalkulierbaren Kosten darauf, sich an der Entwicklung von Batterien zu beteiligen. Die Kosten, die die Autobauer nicht gewillt sind in Kauf zu nehmen, sind die Risiken.

Mit Martin Gornig sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de