Wirtschaft

Für Ausbau der E-Mobilität Autobranche dringt auf mehr Ladesäulen

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Etwa 32.000 Ladepunkte gibt es derzeit im öffentlichen Raum. 

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei ihrem Autogipfel hat die Bundesregierung die Verlängerung der Kaufprämie für E-Autos bis 2025 beschlossen. Die Autolobby verlangt dafür mehr Ladesäulen. Noch vor Weihnachten soll ein eigenes Gremium darüber beraten. Hinterfragt werden soll auch die Strategie des Autoherstellers Tesla.

Nach den Beschlüssen der Bundesregierung für weitere Kaufprämien für E-Autos fordert die Autobranche den raschen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dazu sollten möglichst noch vor Weihnachten Vertreter der Mineralölindustrie, der Energiewirtschaft, der Wohnungswirtschaft, der Kommunen und der Automobilindustrie an einen Tisch gebracht werden, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Bisher schaue jeder auf den anderen. Die einen forderten mehr Elektroautos, die anderen wollten zuerst mehr Lademöglichkeiten. "Wir schaffen nur dann Vertrauen, wenn eine flächendeckende Infrastruktur entsteht", betonte Müller. Hinterfragt werden müsse zudem, ob es sinnvoll sei, dass nach dem Beispiel von Tesla jeder Autohersteller sein eigenes Ladenetz aufbaue und nur seinen E-Autos eine Lademöglichkeit einräume. Das würde das Ganze nur verteuern und sei zudem eine Riesenherausforderung für die Netzbetreiber, sagte Müller, die früher in der Energiewirtschaft gearbeitet hat.

"Mir geht es um die Koordination und die Beschleunigung von Verfahren. Und um die Beteiligung des Staates mit finanziellen Mitteln." Aktuell sei der Ausbau wirtschaftlich kaum darstellbar. "Wenn mehr E-Autos kommen sollen, müssen Bund, Länder und Kommunen jetzt in Vorleistung gehen und das Umfeld attraktiv machen." Aktuell gebe es erst 32.000 Ladepunkte im öffentlichen Raum.

Regierung erwartet "ambitionierten Beitrag"

Die Bundesregierung hatte am Dienstagabend im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel eine Verlängerung der Kaufprämie für Elektroautos über 2021 hinaus bis 2025 beschlossen. Außerdem wurde eine Abwrackprämie für ältere Lkw und ein Fonds zur Unterstützung der Betriebe bei der Umstellung auf klimafreundliche Antriebe auf den Weg gebracht. Die in der Corona-Krise besonders angeschlagene Zulieferindustrie kann mit weiteren Hilfen rechnen.

Die Bundesregierung erwartet darüber hinaus einen "ambitionierten Beitrag" zum Aufbau der Lademöglichkeiten. Ziel ist eine Ausrüstung von mindestens 25 Prozent aller Tankstellen mit Schnelllade-Einrichtungen bis Ende 2022. Danach soll die Quote schrittweise erhöht werden. Dazu sollen möglichst bald Gespräche mit der Mineralölindustrie über eine Selbstverpflichtung beginnen. Sollten die vereinbarten Ziele nicht freiwillig erreicht werden, will die Regierung die Quoten gesetzlich durchsetzen.

Der Autobauer Volkswagen begrüßte das Unterstützungspaket für die Branche als "starkes Signal für die Kundinnen und Kunden wie auch für die Umwelt". Es zeige "den politischen Gestaltungswillen der Regierung, in der Corona-bedingten Krise den raschen Wandel der deutschen Leitindustrie zu unterstützen", erklärte eine Sprecherin.

Kritik am Zukunftsfonds: "Bankrotterklärung"

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Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte hingegen besonders den Zukunftsfonds aus Steuergeldern. "Dass wir so etwas brauchen in Deutschland für diese Industrie, zeigt, was in der Vergangenheit alles schiefgelaufen ist", sagte er im Bayerischen Rundfunk und sprach von einer "Bankrotterklärung". Es fehle Regierung und Automobilbranche an einer "konsistenten Strategie" für eine Mobilitätswende, sagte Krischer weiter.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller begrüßte zwar die Verlängerung der Innovationsprämie - die Verkehrswende sei aber "mehr als E-Auto-Förderung", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) der "Rheinischen Post". Mit einer "Mobilprämie für alle" müssten endlich auch diejenigen Verbraucher unterstützt werden, "die auf Busse und Bahnen oder Sharing umsteigen wollen".

Quelle: ntv.de, chf/rts/AFP