Wirtschaft

Abhängigkeit von Gaslieferungen BDI-Chef: Nicht gesamte Russland-Politik war falsch

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BDI-Chef Siegfried Russwurm.

(Foto: picture alliance/dpa)

Welche Verantwortung trägt die Wirtschaft für die deutsche Russland-Politik? Der Chef des Industrieverbands BDI verweist auf einen Wettbewerbsvorteil durch günstiges Gas aus Sibirien. Dieser habe zwar abhängig gemacht. Allerdings sei das aus damaliger Sicht vertretbar gewesen.

Der Präsident des Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm, hat sich dagegen gewehrt, die gesamte Russlandpolitik der vergangenen Jahrzehnte pauschal als Fehler zu bezeichnen. "Natürlich trägt auch die deutsche Wirtschaft Verantwortung", sagte Russwurm den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Durch die geografische Lage war Deutschland für günstiges Pipeline-Gas aus Sibirien erreichbar. Diesen Wettbewerbsvorteil nicht zu nutzen, wäre ökonomisch falsch gewesen."

Auf den Hinweis, dass ein Verzicht auf diesen Wettbewerbsvorteil auch klug gewesen wäre und es immer wieder Warnungen vor einer zu großen Abhängigkeit von Russland gegeben habe, sagte Russwurm dem RND: "Ganz genau, das wissen wir heute, aber aus damaliger Sicht erschien das vertretbar."

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Der BDI-Chef begründete seine Haltung mit den Worten: "Niemand hatte vor Augen, dass sich ein russischer Präsident komplett von dem zivilisatorischen Minimalkonsens der Staatengemeinschaft verabschiedet", sagte Russwurm. "Das war ein historischer Irrtum, das räume ich ein. Deshalb war allerdings noch lange nicht die gesamte Russland-Politik der vergangenen 20 Jahre ein Fehler, wie nun viele behaupten."

Deutschland dürfe nie wieder so abhängig von einem Land wie von Russland werden, sagte Russwurm. "Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, dass wir einen Stopp der russischen Gaslieferungen auch heute noch nicht verkraften könnten - da sind sich Wirtschaft und Bundesregierung einig." Unternehmen müssten nun ihr Beschaffungswesen "viel stärker diversifizieren und auch neue Absatzmärkte erschließen." Dies sei dann zwar "weniger kostengünstig als der Fokus auf wenige große Lieferanten und wenige große Länder. Aber es beugt einseitigen Abhängigkeiten vor."

Quelle: ntv.de, mbe/AFP

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