Wirtschaft

Nicht nur wegen Corona BER braucht noch Hunderte Millionen Euro

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Am 31. Oktober soll der BER in Betrieb gehen - diesmal sogar wirklich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER ist begleitet von unzähligen Pannen. Der Jahresbericht der zuständigen Flughafengesellschaft fällt entsprechend düster aus. Trotzdem will man bereits in fünf Jahren Gewinne erwirtschaften - eine optimistische Prognose.

Die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft, zuständig für die Flughäfen Tegel, Schönefeld sowie den BER, wäre in diesem Jahr auch ohne die Corona-Krise tiefer in die roten Zahlen gerutscht, wie aus dem Konzernabschluss hervorgeht, den das Unternehmen veröffentlichte. Demnach wird für 2020 mit einem Verlust von 157 Millionen Euro geplant, 61 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr.

"Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie ist nunmehr von einem höheren Konzernjahresfehlbetrag auszugehen", heißt es in dem Bericht, der am Freitag in der Gesellschafterversammlung Berlins, Brandenburgs und des Bundes als Flughafen-Eigentümer festgestellt wurde. Eine belastbare Schätzung sei nicht möglich.

Flüssig ist der Flughafenbetreiber demnach noch bis ins erste Quartal 2021 - allerdings nur, wenn die geplante Kapitalhilfe der Eigentümer kommt. Sie haben zugesagt, bis zu 300 Millionen Euro zusätzlich bereitzustellen, um die Umsatzeinbußen in der Corona-Krise auszugleichen. Das entspricht etwa zwei Drittel des üblichen Jahresumsatzes. Statt knapp 36 Millionen Fluggäste wie im Vorjahr erwartet das Unternehmen dieses Jahr bestenfalls 10 Millionen.

Eine dicke Rechnung bleibt offen

Darüber hinaus hat der Staatsbetrieb für die nächsten vier Jahre einen Finanzbedarf von 792 Millionen Euro angemeldet - im Wesentlichen, um noch Rechnungen für den neuen Hauptstadtflughafen BER zu begleichen. Die Eigentümer wollen die Lücke zur Hälfte füllen, den Rest des Geldes soll das Unternehmen selbst beschaffen.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geht ferner davon aus, dass das Unternehmen ab 2025 Gewinn macht. "In der Gesamtbetrachtung sieht die Geschäftsführung die FBB langfristig gut aufgestellt für eine positive weitere Entwicklung", betonen die Geschäftsführer Lütke Daldrup und Manfred Bobke-von Camen. In den vergangenen Wochen waren immer wieder Zweifel daran laut geworden.

Berichte, wonach große finanzielle Probleme und Zahlungsunfähigkeit drohten, wies das Unternehmen aber stets zurück. Bestandsgefährdende Risiken für das Unternehmen seien auch durch die Seuche nicht erkennbar, heißt es in dem Bericht. Nach der Finanzkrise 2008/2009 und der europaweiten Luftraumsperrung nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull vor zehn Jahren habe sich die Luftfahrtbranche auch zügig wieder erholt.

Tegel als Lichtblick

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Geschäftsführer Daldrup sieht sein Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gewinnbringer war im vergangenen Jahr wieder der Flughafen Tegel, der ein Plus von 131 Millionen Euro einbrachte. Am 31. Oktober soll nach jahrelangen Verzögerungen der neue Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld Betrieb gehen und Tegel wenige Tage später schließen. Neun Monate später fällt das Gelände an das Land. Die Flughafengesellschaft muss aber noch zweieinhalb Jahre für Bodenaltlasten und Schadstoffe in Gebäuden haften. Nennenswerte Zahlungen erwartet das Unternehmen aber nicht.

Die alten Terminals in Schönefeld sollen noch weitere knapp zehn Jahre genutzt werden. Höhere Boni haben im vergangenen Jahr die Bezüge der Geschäftsführer steigen lassen. Flughafenchef Lütke Daldrup erhielt ein Jahresgehalt von 521.000 Euro, davon 56.000 Euro erfolgsabhängige Vergütung. Insgesamt waren das 18.000 Euro mehr als im Vorjahr.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa