Wirtschaft

S&K-Millionen-Betrug vor Gericht Baden im Geld der Anleger

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Der mutmaßliche Anlagebetrüger Stephan S. vor dem Frankfurter Landgericht.

(Foto: imago/Hannelore Förster)

Rolex-Uhren, Luxuskarossen, Goldbarren, Amüsierdamen: Die Chefs der S&K-Gruppe haben das Geld ihrer Anleger gut investiert. Um fast 240 Millionen Euro sollen sie sie betrogen haben. Auch der Prozess sprengt alle Dimensionen.

Eine Blondine wirbelt in einem riesigen Cocktailglas umher. Jürgen aus dem "Big Brother"-Haus singt. In der Auffahrt der protzigen Villa steht ein schwarzer Aston Martin, umringt von Damen in dunklen Dessous. Auf einer Feier taucht plötzlich ein Elefant auf. Und der Chef schwebt per Helikopter ein.

Stephan S. und Jonas K. haben es als Gründer der S & K-Gruppe so richtig krachen lassen. Seit mehr als zweieinhalb Jahren sitzen beide nun in Untersuchungshaft. Die jungen Männer aus Frankfurt, Mitte 30, sollen für einen der größten Anlegerskandale der jüngeren Vergangenheit verantwortlich sein. S., K. und vier weitere Angeklagte müssen sich seit Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und schwerer bandenmäßigen Untreue verantworten. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Säcke voller Geld

Wäre ihre Geschichte nicht wahr, könnte man sie glatt für ein Märchen halten. S. und K., zwei Nobodies ohne Finanz-Erfahrung, haben aus dem Nichts ein Imperium mit 150 Firmen erschaffen. Ganze Säcke voll Geld beschlagnahmten die Ermittler in der Frankfurter Kennedy-Allee, dem Zentrum ihres verworrenen Firmengeflechts. Wie Dagobert Duck wollten sie offenbar darin baden. Ihre Luxuswelt hätten Köller und Schäfer nicht ohne die Gier Tausender Anleger schaffen können. Um über 240 Millionen Euro sollen sie Investoren erleichtert haben.

Die Last des mutmaßlichen Betrugs ist so groß, dass die Justiz nun buchstäblich darunter zusammenzubrechen droht: 1000 Aktenordner füllen die Unterlagen zu dem Verfahren, sie mussten auf verschiedene Räume im Gericht verteilt werden, um Einsturzgefahr zu vermeiden. 3150 Seiten ist die Anklageschrift lang, alleine ihre Verlesung wird wohl mehrere Tage dauern. 100 Terabyte Daten mussten die Ermittler durchackern, 2200 Konten analysieren. 50 Prozesstage sind insgesamt für das Verfahren angesetzt.

S. und K. sollen laut den Ermittlern ein Schneeballsystem mit überbewerteten Immobilien aufgebaut haben. Neue Anleger seien mit dem frischen Geld neuer Investoren ausbezahlt worden. Der Rest sei für den exzessiven Lebensstil der beiden draufgegangen. Über zehn Kilo Gold und acht Rolex-Uhren stellte die Staatsanwaltschaft am Ende bei Schäfer sicher. Bei Köller fanden sich ein Motorrad für 100.000 Euro, Mont-Blanc-Manschettenknöpfe und Konten mit mehr als einer halben Million Euro.

240 Millionen Euro sind verschwunden

Laut Staatsanwaltschaft soll die Masche so gelaufen sein: S. und K. kauften bei Zwangsversteigerungen Schrottimmobilien günstig auf und verkauften sie teuer weiter. Um das Geschäft anzukurbeln, legten sie mithilfe einer Hamburger Firma Fonds auf und köderten tausende Anleger mit Hochglanzprospekten und bis zu zwölf Prozent Rendite, die nie erwirtschaftet wurden. Gefällige Gutachter sorgten für überhöhte Verkaufspreise. Das Schneeballsystem wuchs.

Also erschlossen sie eine neue Geldquelle. Sie überredeten tausende Kunden, ihre Lebensversicherungen zu kündigen und den Erlös in ihre Immobilien zu stecken. Noch mehr Bares wurde nötig. Deshalb zündeten S. und K. die dritte Stufe der Geldvernichtung: sie kaperten Immobilienfonds anderer Anbieter wie DCM, Midas und SHB und saugten etwa 50 Millionen Euro heraus.

S. und K. machen sich keine große Mühe zu beantworten, wohin das Geld verschwunden ist. Laut Staatsanwaltschaft haben sie bisher größtenteils weder zur Sache ausgesagt, noch die Taten gestanden. S. wurde am Donnerstag mit Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. "Das widerspricht der Menschenwürde, das ist doch kein Tanzbär, sondern ein Mensch", kritisierte sein Verteidiger Ulrich Endres das Blitzlichtgewitter. Als Anwalt hat er auch schon Hells-Angels-Mitglieder vor Gericht vertreten.

Quelle: n-tv.de

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