Wirtschaft

Erst kurz vor Insolvenzantrag Bafin machte Wirecard spät zur Chefsache

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Finanzdienstleister Wirecard versinkt in einem Bilanzskandal.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Fall Wirecard bekommen Vorwürfe, die Finanzaufsicht sei zu lange untätig gewesen, neue Nahrung: Einem Bericht zufolge schaltete sich Bafin-Chef Hufeld erst Mitte Juni in die Krisengespräche ein, obwohl sich der Bilanzskandal bei dem Finanzdienstleister schon Monate vorher angekündigt hatte.

Die Leitung der Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat den Fall Wirecard offenbar erst kurz vor dem Zusammenbruch des Unternehmens zur Chefsache gemacht und sich in die Krisengespräche mit dem Management eingeschaltet. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf Anfragen der Bundestagsfraktionen von Grünen und Linken hervor, die der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) vorliegt. Nach Angaben der Zeitung telefonierte Bafin-Präsident Felix Hufeld selbst erstmals Mitte Juni und damit wenige Tage vor dem Insolvenzantrag mit Spitzenmanagern von Wirecard.

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Bafin-Präsident Felix Hufeld.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hufeld sprach dabei laut der Zeitung mit dem neu installierten Vorstandschef James Freis sowie mit Wirecard-Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann. Bafin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele und der für die Bankenaufsicht verantwortliche Bafin-Direktor Raimund Röseler haben demnach bis zuletzt keine direkten Gespräche mit Vorständen und Aufsichtsräten von Wirecard geführt, obwohl sich die Lage über viele Monate hinweg immer stärker zugespitzt hat.

"Herr Hufeld hätte angesichts vieler Hinweise deutlich früher den Fall Wirecard zur Chefsache machen müssen", sagte der grüne Finanzpolitiker Danyal Bayaz der Zeitung. Die zuständige Vizepräsidentin Roegele sei im Fall Wirecard gar "völlig abgetaucht".

Staatssekretär Kukies traf Braun

Während sich das Bafin-Direktorium selbst erst kürzlich einschaltete, gab es allerdings bereits im Herbst 2019 ein Gespräch zwischen Finanzstaatssekretär und Bafin-Verwaltungsratschef Jörg Kukies und dem damaligen Wirecard-Chef Markus Braun - und zwar am 5. November, dem 50. Geburtstag Brauns. Ob schon damals die weithin bekannten Vorwürfe gegen Wirecard zur Sprache kamen, teilte das Finanzministerium in seiner Antwort unter Berufung auf "Geheimschutzinteressen" nicht mit.

Auch dies stößt bei Parlamentariern auf heftige Kritik: "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, was Herr Kukies mit dem CEO Markus Braun an dessen Geburtstag so Geheimes zu besprechen hatte", sagte der Finanzexperte der Linken, Fabio De Masi. Die Bafin wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu dem Thema äußern.

Quelle: ntv.de, jug/DJ

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