Wirtschaft

Stress mit Ansage Bafin will Banken durchfallen lassen

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Die Banken müssen unter Beweis stellen, dass sie eine schwere Rezession drei Jahre lang überstehen würden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Stresstest ist eigentlich kein Honigschlecken. Die Finanzaufsicht scheint aber zu befürchten, dass sich ihre Bemühungen um mehr Krisenresistenz im Finanzsektor etwas abgenutzt haben. Sie legt ein Brikett drauf und macht eine deutliche Ansage.

Die Finanzaufsicht Bafin schließt nicht aus, dass einzelne deutsche Banken beim Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) auch durchfallen werden. Das bei dem Test unterstellte Krisenszenario könne "für einzelne Institute sehr anspruchsvoll" werden, sagte Bafin-Präsidentin Elke König auf der Jahrespressekonferenz der Behörde in Frankfurt.

Es reicht nicht, systemrelevante Banken mit höheren Kapitalanforderungen widerstandsfähiger zu machen und sie besonders streng zu beaufsichtigen", sagte König. "Wir müssen systemrelevanten Banken glaubhaft klar machen können, dass wir sie scheitern lassen, wenn ihr Geschäftsmodell nicht taugt." Dazu sei ein grenzüberschreitendes Abwicklungsregime notwendig, forderte König.

Dieses Szenario habe es in der Tat in sich, wenn man sich die Parameter ansehe, die für die Institute relevant seien, ergänzte sie. Namen gefährdeter Banken nannte sie nicht. An dem Stresstest, den die EZB gemeinsam mit der EU-Bankenaufsicht EBA organisiert, nehmen 23 deutsche Banken teil - von der Deutschen Bank und Commerzbank bis hin zur Hamburger Sparkasse und der Münchener Hyp. In ganz Europa sind es mehr als 120 Institute.

Die Banken müssen dabei unter Beweis stellen, dass sie eine schwere Rezession drei Jahre lang überstehen würden, ohne dass ihr sicheres Kapitalpolster auf weniger als 5,5 Prozent der Bilanzrisiken abschmilzt. Dem Stresstest vorgeschaltet ist eine eingehende Bilanzprüfung (Asset Quality Review - AQR) aller Banken, die von November an von der EZB direkt beaufsichtigt werden könnten. "Ich bin vorsichtig optimistisch", sagte König zum Abschneiden der 24 Kandidaten aus Deutschland. Der "Bilanz-TÜV" werde keine großen Überraschungen bringen. "Die deutschen Banken haben in den vergangenen Jahren sowohl ihre Kapitalbasis gestärkt als auch Risikopositionen abgebaut."

Banken sind genervt

König äußerte Verständnis für die Kritik deutscher Banken an dem großen Aufwand, den die Prüfung verursacht. Schon die Bilanzprüfung sei ein "organisatorischer und administrativer Kraftakt", sagte sie. Der Zeitdruck, unter dem der Stresstest stehe, dessen Ergebnisse im Oktober vorliegen müssen, sei ein Problem, dürfe aber nicht zu Abstrichen an der Qualität führen. "Scheitern ist keine Option." Bafin und Bundesbank hätten mit ihrem Eintreten für eine selektive und am Risiko orientierten Datensammlung der Aufseher aber nur teilweise Erfolg gehabt.

Noch werde auch heftig diskutiert, wie der Bilanz-TÜV und der Stresstest sinnvoll verknüpft werden sollten. Sie laufen wegen des Zeitdrucks teilweise parallel, gleichzeitig sollten aber die Ergebnisse des AQR Ausgangspunkt für den Stresstest sein.

König plädierte dafür, den Instituten die von den Prüfern ermittelten Ergebnisse des AQR als Basis für den Stresstest zur Verfügung zu stellen: "Ein Mehr an Transparenz wäre den Banken gegenüber nur fair und würde sie bei der Kapitalplanung schon in einem frühen Stadium unterstützen." Sonst drohe ein monatelanger Blindflug. Sie stellte sich damit gegen die EZB, die vorab keine genauen Daten an die Betroffenen weitergeben will. Die Notenbank fürchtet, dass betroffene Banken die Ergebnisse des "Bilanz-TÜV" umgehend ihren Aktionären mitteilen, wenn diese Ergebnisse den Aktienkurs beeinflussen könnten. Doch König stellte klar: "Weder die EZB noch wir nationalen Aufseher könnten das verhindern."

Quelle: n-tv.de, ddi/rts/DJ

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