Wirtschaft

"Wir müssen bauen, bauen, bauen"Bahn-Infrastrukturchef ruft ernüchterndes Pünktlichkeitsziel aus

25.01.2026, 07:30 Uhr
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Zwischen Berlin und Hamburg liegen bald wieder alle Gleise, wo sie hingehören. (Foto: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang)

Die Deutsche Bahn glänzt in puncto Pünktlichkeit zuletzt nicht unbedingt mit Topwerten. Das soll sich in diesem Jahr ändern, aber nur minimal. Bis der Konzern an seinem Ziel ist, müssen die Fahrgäste noch so einige Baustellen aushalten.

Obwohl eine Rekordzahl an Baustellen geplant ist, will die Deutsche Bahn die Pünktlichkeit im Fernverkehr in diesem Jahr spürbar steigern. Die Pünktlichkeitsquote der Züge solle auf 60 Prozent steigen, sagte Philipp Nagl, Chef der Infrastruktursparte DB Infrago, der "Bild am Sonntag" (BamS). Zuletzt hatte der Wert oft nur bei rund 50 Prozent gelegen.

"Die Fahrgäste spüren überall dort, wo wir viel gebaut haben, dass es besser geworden ist", führte Nagl aus. "Mein Ziel ist es, dass wir in diesem Jahr nicht weiter unter die Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent rutschen." 2026 gelte es, "die Pünktlichkeit zu stabilisieren und damit den Grundstein für spürbare Verbesserungen in den kommenden Jahren zu legen", sagte Nagl weiter. Der Bahn-Manager räumte jedoch auch ein: "Das geht auf dem Schienennetz nicht über Nacht."

Ein Hoffnungsschimmer sei die Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Modernisierung, für die seit August eine Vollsperrung nötig ist, soll pünktlich Ende April abgeschlossen sein. Dann sind wieder mehr Züge zwischen den beiden Großstädten unterwegs und die weiträumige Umleitung mit Fahrzeitverlängerungen von etwa einer Dreiviertelstunde hinfällig.

28.000 Bahn-Baustellen in 2026

Im letzten Zustandsbericht habe die Bahntochter das Netz mit der Schulnote 3- bewertet. Das langfristige Ziel setzte Nagl bei einer 2+ an. Dafür sollen auch in diesem Jahr Gleise, Schienen, Oberleitungen und Bahnhöfe in ganz Deutschland erneuert werden. Die DB Infrago rechnet mit insgesamt 28.000 Baustellen. Im vergangenen Jahr hatte es den Angaben zufolge bei der Bahn rund 26.000 Baustellen gegeben, 19 Milliarden Euro wurden "verbaut".

Ein weiteres Problem seien veraltete Stellwerke. Einige der Bahnanlagen zur Steuerung des Zugverkehrs würden bereits seit der Kaiserzeit bestehen, viele andere nutzen noch immer Technik aus den 1960er und 1970er Jahren, berichtete die BamS. "Diese werden wir in den nächsten zehn Jahren alle sanieren und modernisieren", sagte Nagl. Infrago priorisiere die Arbeiten nach den Stellwerken, die die meisten Probleme und Defekte hätten. Schwierig sei die Lage in etwa der Hälfte der Einrichtungen. 2000 der 4000 Anlagen seien noch nicht einmal mit Computer-Technologie ausgestattet. Die Bahner arbeiteten quasi offline.

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Blick in das Uralt-Stellwerk in Büchen bei Hamburg. (Foto: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang)

"Ich möchte unsere Fahrgäste um Verständnis bitten", sagte Nagl der Zeitung und erklärte: "Nur wenn wir konsequent bauen, bauen und nochmals bauen, werden wir die Pünktlichkeit nachhaltig steigern können."

Quelle: ntv.de, mpa/AFP

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