Wirtschaft

Wegen technischer Mängel Bahn verweigert Abnahme neuer Intercitys

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Die Bahn ist zurzeit mit dem Hersteller Bombardier alles andere als zufrieden.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Die Modernisierung der Zugflotte der Deutschen Bahn gerät ins Stottern - offenbar wegen technischer Mängel der neuen Züge. So soll die Bahn die Abnahme mehrerer Bombardier-Intercitys verweigert haben und "rechtliche Mittel" prüfen.

Die Deutsche Bahn kämpft mit neuen Problemen beim Aus- und Umbau des Fernverkehrs. Der Verkehrskonzern verweigere wegen technischer Mängel die Abnahme von 25 neuen Intercity-Zügen vom Hersteller Bombardier, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Branchenkreise. Für die geplante Erneuerung der alternden Zugflotte sei das ein herber Rückschlag. Auch dem Hersteller droht den Angaben zufolge ein Fiasko: Der Auftrag habe einen Wert von 400 Millionen Euro. Die Bahn prüfe Schadenersatzforderungen.

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Die ersten 17 der insgesamt 42 doppelstöckigen IC-Züge der betroffenen Bauserie gingen dem Blatt zufolge bereits Anfang 2019 in Betrieb - von Anfang an mit enormen Problemen. Interne Bahnvermerke beschrieben groteske Zustände. So "bricht das Betriebssystem des Zuges regelmäßig zusammen", vor allem beim Wechsel der Fahrtrichtung. Nur mit einem zweiten Lokführer an Bord gelinge es, die Probleme überhaupt zu beheben. Oft aber falle der Zug ganz aus.

Um losfahren zu können, müssten demnach Lokführer eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten. Techniker der Bahn seien deshalb fassungslos, sprächen von rückständiger Technik: Niemand fahre sein Handy eine Stunde hoch, um eine App zu nutzen. Hinzu komme, dass Bombardier die Ausrüstung mit dem automatischen Zugsteuerungssystem ETCS häufig verschoben habe. Die Züge könnten deshalb nicht in die Schweiz fahren.

Bahn fordert schnelle Mängelbeseitigung

Der Konzern geht den Hersteller nun hart an. Die Bahn habe bei Bombardier unmissverständlich eine schnelle Beseitigung der Mängel gefordert, so die Zeitung unter Berufung auf Aufsichtsratskreise der Bahn. Infolge der Probleme sei nun die Abnahme der weiteren Züge des baugleichen Typs gestoppt worden. Die Züge sind vor allem in Süddeutschland unterwegs, etwa zwischen Karlsruhe, Stuttgart und Nürnberg, sowie zwischen Singen und Stuttgart.

Bombardier äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. "Interne Dokumente oder Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht", sagt ein Bahn-Sprecher. Der Konzern bestätigt aber, dass die Bahn 25 IC2-Züge der zweiten Bauserie mängelbedingt nicht vom Hersteller abnehme. Man erwarte eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller und prüfe darüber hinaus "rechtliche Mittel", sagte der Sprecher weiter. Es kämen im Sinne der Passagiere nur Züge zum Einsatz, die "einwandfrei funktionieren".

Quelle: ntv.de, bad