Wirtschaft

Spartenchefin nennt Frist Bahn will wieder profitablen Güterverkehr

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Die Gütersparte der Bahn soll in wenigen Jahren wieder Geld verdienen.

(Foto: imago images/Gottfried Czepluch)

Der Güterverkehr ist einer der großen Sorgenkinder der Bahn. Die transportierte Menge sinkt, das Defizit steigt. Mit zahlreichen Änderungen will die Sparte nun die Wende bis Mitte des Jahrzehnts schaffen. Während es für Kunden komfortabler werden soll, befürchtet die Gewerkschaft Auslagerungen.

Die Deutsche Bahn nimmt neuen Anlauf, den Güterverkehr aus den roten Zahlen zu holen. "Wir werden größter Bahnlogistiker Europas", kündigte die Chefin der Gütersparte DB Cargo, Sigrid Nikutta an. Das Angebot soll erweitert werden, um mehr Kunden ohne Gleisanschluss Transporte anbieten zu können. Spätestens Mitte der 20er Jahre soll der chronisch defizitäre Güterverkehr wieder profitabel sein.

Denn die Finanzlage des größten deutschen Staatskonzerns ist so schlecht wie nie seit der Bahnreform 1994. In diesem Jahr droht infolge der Corona-Krise ein Milliardenverlust, die Fahrgastzahlen erholen sich nur langsam. Über die Lage ließ sich am heutigen Mittwoch der Aufsichtsrat informieren. Beschlüsse wurden aber nicht bekannt. Das neue Cargo-Konzept stand schon am Vortag auf der Tagesordnung einer Strategie-Sitzung. Dazu gehört etwa die Stärkung des teuren und aufwendigen Einzelwagenverkehrs. Dabei werden einzelne Waggons beim Kunden abgeholt, in Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengeschlossen und am Zielort wieder einzeln weiter transportiert.

Bislang mussten die Kunden dafür einen Gleisanschluss vorhalten. Das soll sich nun ändern. "Wir werden sehr stark reingehen in das Thema abholen beim Kunden, natürlich wenn er einen Schienenanschluss hat, aber auch, wenn er eben keinen hat", sagte Nikutta. Zugleich sollen neue Umschlagterminals gebaut werden, wo Güter etwa von der Straße auf die Schiene verladen werden können. Außerdem will die DB-Cargo-Chefin Partnerschaften mit anderen Dienstleistern eingehen, etwa beim Betrieb der Terminals.

Dieser Punkt wird von Gewerkschaften kritisiert. Sie fürchten eine Auslagerung von Arbeit an Dritte, um Kosten zu sparen. Das Thema spielt auch bei den derzeit laufenden Tarifverhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG eine Rolle. Die Cargo-Sparte mit ihren rund 30.000 Mitarbeitern zählt seit Jahren zu den Sorgenkindern im Konzern. Im vergangenen Jahr wurden 232 Millionen Tonnen Güter transportiert. Seit 2010, als es noch 415 Millionen Tonnen waren, geht die Menge zurück. Fast drei Viertel der Verkehrsleistung im bundesweiten Güterverkehr erbringen Lastwagen; für mehr Klimaschutz soll diese Quote sinken.

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Die neue Strategie ist verbunden mit hohen Investitionen in neue Technik wie modulare Güterwaggons und die Digitale Automatische Kupplung. Derzeit müssen Güterwaggons noch per Hand aneinander gekoppelt und kontrolliert werden. Das ist teuer, zeitaufwendig und nicht ungefährlich.

Der Bund hat der Deutschen Bahn in der Vergangenheit viele Milliarden Euro an Eigenkapitalerhöhungen zugesagt - zuletzt rund fünf Milliarden Euro aufgrund der Corona-Krise. Diese Mittel sollen ausschließlich in die Infrastruktur fließen. Die Güter-Konkurrenten der Bahn haben aber die EU-Kommission kontaktiert. Sie fürchten, dass mit dem Geld vor allem der bundeseigene Konzern zulasten der Wettbewerber gefördert wird.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa