Wirtschaft

Personalkarussell dreht sich Barclays wirft den Chef raus

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Anthony Jenkins

(Foto: dpa)

Der Posten des Vorstandschefs bei der britischen Großbank Barclays ist ein Schleudersitz. Diese Erfahrung macht nun auch Athony Jenkins. Der Verwaltungsrat entzieht dem Manager das Vertrauen. Verwaltungsratschef McFarlane übernimmt erst einmal.

Und wieder setzt Barclays einen Boss vor die Tür: Vorstandschef Antony Jenkins muss nach nur drei Jahren seinen Hut nehmen, weil er nach Auffassung des Verwaltungsrates nicht rasch und entschlossen genug die Trendwende bei der britischen Großbank eingeläutet hat. Sein Vorgänger Bob Diamond war im Sommer 2012 über den Skandal mit Zinsmanipulationen gestürzt und zum Rücktritt gedrängt worden.

Barclays
Barclays 2,13

Doch nicht nur bei Barclays dreht sich das Personalkarussell schneller und schneller. Seit der Finanzkrise ist die Branche angeschlagen und kämpft in Zeiten, wo ein Skandal den nächsten jagt, mit neuen Gesichtern gegen den Vertrauensverlust an. Erst vor wenigen Wochen gaben die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, nach immer heftigerer Kritik auf. Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten und eine nicht zufriedenstellende Aktienentwicklung wurden dem Führungsduo zum Verhängnis.

Bei Barclays kam der Chefwechsel weniger überraschend als bei dem deutschen Konkurrenten. "Es ist uns allen klar geworden, dass für die anstehende Phase ein neues Kompetenzpaket erforderlich ist", teilte der Verwaltungsrat mit. Die Antwort des Aktienmarkts auf den Chefwechsel fiel ebenso deutlich aus: Die Papiere verzeichneten in London Kursgewinne.

Bis ein Nachfolger für den Schleudersitz bei Barclays gefunden ist, soll Verwaltungsratsvorsitzender John McFarlane Jenkins' Platz einnehmen. McFarlanes Ankunft im April bedeutete für Jenkins nichts Gutes. Dem ehemaligen Citigroup-Manager eilte der Ruf voraus, Unternehmen mit teilweise radikalen Mitteln durch schwierige Umstrukturierungsphasen zu boxen. Er bezeichnete Jenkins' Strategie in ungeschönten Worten als "schwerfällig" und warf dem scheidenden CEO mangelnde Entschlossenheit vor.

Noch für ein Jahr Gehalt

Auch viele Investoren, Analysten und Mitarbeiter konnten sich nie so richtig mit Jenkins' Führungsstil anfreunden. Zwar entließ er Mitarbeiter, setzte die Investmentbanking-Sparte auf Diät und verbesserte die Kapitalstärke des Konzerns. Doch schien er sich zu verzetteln, schraubte hier ein bisschen, und da ein bisschen, und überzeugte damit den Verwaltungsrat nicht so recht. Dieser hatte Jenkins bereits vergangene Woche von seiner Entlassung in Kenntnis gesetzt. "Er reagierte unglaublich professionell", sagte McFarlane. Dass Jenkins' Kopf rollen muss, beschloss der Verwaltungsrat demnach endgültig am Dienstag.

Jenkins erklärte, er sei "sehr stolz auf den wichtigen Fortschritt", den die Bank seit seinem Amtsantritt gemacht habe. Er hat eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten und wird deshalb sein Gehalt bis zum 7. Juli 2016 unverändert weiter beziehen. Zusätzlich zu seinem Grundgehalt in Höhe von 1,1 Millionen Britischen Pfund sowie Aktien im Wert von 950.000 Pfund erhält er eine Altersvorsorgeleistung von 363.000 Pfund im Jahr. An dem Gehalt von McFarlane ändere sich ebenfalls nichts. Der Manager bekommt ein Jahresgehalt von 800.000 Pfund zuzüglich Aktien im Wert von 100.000 Pfund.

Quelle: ntv.de, wne/DJ

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