Wirtschaft

"Bereit für die Expansion" Beate Uhse umschmeichelt Frauen

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Erotik ist raus aus der Schmuddelecke. Heute investieren vor allem Frauen in Sexspielzeug, Dessous & Co.

(Foto: Beate Uhse)

Dessous, Kleidung, Sexspielzeug, duftendes Massageöl und Cremes - das ist die auf Frauen ausgerichtete Produktwelt bei Beate Uhse. Pornografie für Männer spielt angesichts des Gratis-Angebots im Internet dagegen kaum noch eine Rolle.

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Mehr Herz, mehr Schnörkel, mehr Weiblichkeit: der Vorstandsvorsitzende der Beate Uhse AG, Serge van der Hooft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der börsennotierte Erotikkonzern Beate Uhse ist nach einer langen Durststrecke endgültig in der Gewinnzone angekommen - und verdankt das den Frauen in der Kundschaft. Zwar ging der Umsatz im vergangenen Jahr nochmals um 1,6 Prozent auf 142 Millionen Euro zurück, doch wies das Unternehmen erstmals seit Jahren sowohl vor als auch nach Steuern einen Gewinn aus.

"2013 stimmt uns zufrieden", sagte Vorstandsvorsitzender Serge van der Hooft. "Wir sind wieder bereit für die Expansion in allen unseren Kanälen." Der Umsatz soll in diesem Jahr zwischen 145 Millionen und 150 Millionen Euro liegen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,4 Millionen auf 5 Millionen bis 7 Millionen Euro steigen.

Beate Uhse konzentriert sich mittlerweile vorwiegend auf den weiblichen Teil der Bevölkerung. Frauen machen rund 80 Prozent der Neukunden aus. Durch Partnerschaften mit Modeketten und Drogeriemärkten will das Unternehmen noch stärker an den Mainstream andocken und endgültig raus aus der Schmuddelecke.

"Erotische Bedürfnisse"

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Sexfilme für eine männliche Kundschaft spielen kaum noch eine Rolle. Angesichts des Gratis-Angebots im Internet sieht der Konzern darin schon längst keinen Erfolg versprechenden Markt mehr. "Die Zielgruppe hat sich verändert", heißt es im aktuellen Geschäftsbericht. "Die Ideen der Unternehmensgründerin Beate Uhse sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen; heute leben Frauen ihre erotischen Bedürfnisse und ihre Sexualität freier, offener und selbstbestimmter."

Erotik habe sich in den vergangenen Jahren "aus der Grauzone herausbewegt" und sei mittlerweile zu einem "gesellschaftlich akzeptierten Thema" geworden. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung des Erotikhändlers auch in Zukunft weiter festigen. Tatsächlich scheint der Zeitgeist dem Geschäftsmodell in die Hände zu spielen. "Nicht zuletzt trägt in der Öffentlichkeit breit diskutierte Literatur wie zum Beispiel '50 Shades of Grey' dazu bei."

Die neue Strategie orientiert sich an den Vorstellungen und Idealen der legendären Kunstflugpilotin und Unternehmerin Beate Uhse. Im Auftrag des Unternehmens entwarfen Designer und Marketingexperten eine "feminine Warenwelt". Selbst das Logo wirkt nach der Neuausrichtung im vergangenen Sommer deutlich weiblicher als früher: Ein pinkfarbenes Herz prangt nun zwischen Vor- und Nachnamen der 2001 verstorbenen Gründerin.

Helle Läden "in bester Innenstadtlage"

Mit Produktauswahl, Zielgruppe und der Neugestaltung der firmeneigenen Verkaufsplattform im Internet soll sich nun auch das gesamte Unternehmensbild in der Öffentlichkeit verwandeln. Die Stoßrichtung ist klar: mehr Herz, mehr Schnörkel, mehr Weiblichkeit. Der größte Anteil des Umsatzes entfällt bei Beate Uhse noch immer auf den Versand- und Einzelhandel. Rund zwei Drittel kommen aus dem Ausland. In diesem Jahr will Beate Uhse zehn neue Läden eröffnen, davon bis zu fünf in Deutschland.

"Neben den klassischen Shop-Konzepten, die ihr Augenmerk hauptsächlich auf die männliche Kundschaft richten, etablieren sich zunehmend Anbieter für Frauen und Paare", heißt es im Geschäftsbericht zur Erläuterung. "Flagship Stores in besten Innenstadtlagen oder großen Einkaufszentren, Shop-in-Shop Konzepte in Drogeriemärkten oder Kaufhäusern mit einer hellen, offenen und freundlichen Atmosphäre sowie Online-Shops mit Beratungsangeboten prägen zunehmend das Erscheinungsbild der Erotikbranche und heben sich deutlich vom Image der Pornobranche ab."

Die größten Wachstumsraten werden nach Einschätzung der Unternehmensführung weiterhin der Online-Verkauf von "Erotik- oder erotiknahen Produkten wie hochwertiger Lingerie, Toys und Accessoires" verzeichnen. Damit schneidet sich Beate Uhse allerdings auch ins eigene Fleisch. "Diese Wachstumsraten werden teilweise zulasten der Zuwächse im Einzelhandel gehen."

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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