Wirtschaft

Korrektur bei Umsatz und Gewinn Bei VW ist das "Beste der Party vorbei"

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Der Ausblick bei VW ist weniger glänzend als bislang erwartet.

(Foto: REUTERS)

Auch dem größten Autobauer der Welt bereitet die Lage in der Branche Probleme. VW-Chef Diess korrigiert nun die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn nach unten. Er ist aber zuversichtlich, was die Elektrooffensive angeht.

Die Probleme der Autoindustrie gehen auch an Volkswagen nicht vorbei. Umsatz und Gewinn werden langsamer steigen als bislang erwartet, räumten Konzernchef Herbert Diess und Finanzvorstand Frank Witter in einer Telefonkonferenz mit Analysten ein. Die Aktie der Wolfsburger sackte um mehr als vier Prozent ab. Seit Jahresbeginn ist der Kurs jedoch um 30 Prozent nach oben geklettert. Das ist mehr als der Durchschnitt der größten europäischen Autobauer und Zulieferer.

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Diess sagte, großes Wachstum werde es auch kommendes Jahr im Markt nicht geben. Witter fügte hinzu: "Das Beste der Party ist vorbei." Der Umsatz soll 2020 nun nur noch um mindestens 20 Prozent gegenüber 2016 wachsen, statt der bislang erwarteten 25 Prozent. 2016 machte VW gut 217 Milliarden Euro Umsatz. Davon ausgehend kalkulieren die Wolfsburger nun mit mindestens knapp 261 Milliarden Euro Erlös im kommenden Jahr.

VW konzentriert sich nach dem Dieselskandal mit manipulierter Abgassoftware vor allem aufs Kostensparen und die Vermeidung unnötiger Investitionen. Der Abgasskandal kostete den Konzern bereits 30 Milliarden Euro. Den Absatz zu pushen, stehe auf der Prioritätenliste nicht mehr ganz oben, sagte Witter.

Elektrooffensive soll vor EU-Strafen schützen

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Diess.

(Foto: dpa)

Nun steht die von Diess verordnete Elektrooffensive im Vordergrund. Die gleicht einer Flucht nach vorn, da im kommenden Jahr in der EU strengere CO2-Abgasregeln gelten. Für beide Jahre sei man zuversichtlich, die CO2-Ziele einzuhalten, sagte Diess. 2020 müsse man dafür rund vier Prozent der Autos als Elektroautos verkaufen, im Jahr danach wolle VW den Anteil auf acht Prozent verdoppeln. Der Konzern teilte zudem mit, das neue E-Auto ID.3 werde von Herbst 2020 an auch in der Gläsernen Manufaktur in Dresden montiert. Damit sei der VW-Standort in Sachsen zukunftsfest, hieß es in einer Mitteilung.

Um die nötigen Milliarden für neue Antriebe und neue Technik freizumachen, muss VW knapp kalkulieren und will unter anderem Stellen abbauen. In den kommenden fünf Jahren sind 60 Milliarden Euro für Elektromobilität, Vernetzung und Software vorgesehen - rund 40 Prozent des gesamten Investitionsbudgets. Ausgehend vom geringeren Umsatzwachstum wird im kommenden Jahr aber nun auch weniger Gewinn bei Volkswagen übrigbleiben. Das Renditeziel für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen bleibt bei 6,5 bis 7,5 Prozent.

Renditeziele bei Audi werden womöglich verpasst

Fraglich sind die Renditepläne bei der Premiumtochter Audi. Diese im kommenden Jahr zu erreichen, werde anstrengend, sagte Witter. Womöglich lande man am Ende noch nicht ganz im Bereich von neun bis elf Prozent Umsatzrendite. Audi verkauft derzeit deutlich weniger Autos als die Rivalen Mercedes-Benz und BMW. Die Werke sind nicht ausgelastet, was die Ingolstädter teuer zu stehen kommt.

Auch in China rechnet VW mit weniger Gewinnen. Seit über einem Jahr schwächelt der wichtigste Einzelmarkt vor allem bei den Massenmodellen, bei denen VW im Land Marktführer ist. Zwar steht Volkswagen besser da als so mancher Konkurrent, aber ursprünglich hatten sich die Wolfsburger auch hier für das nächste Jahr mehr ausgerechnet, wie Witter einräumte. China steht bei der Kernmarke VW Pkw für rund die Hälfte aller Auslieferungen, im Konzern für rund 40 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa